Das Runde muss ins Eckige

Bald ist es wieder soweit. Bald freut sich das Fußball-Phrasen-Schweinchen wieder, wenn die EM angepfiffen wird, ein Spiel 90 Minuten dauert und das Runde wieder ins Eckige muss. Genau das habe ich mir gedacht, als ich letztens mein Geschirr in die Spüle gepackt habe. Das Dekor wird mit jedem Spülgang blasser. Hätte ich mich doch für ganz weißes Porzellan entschieden!


Aber halt! So eines hab ich ja. Wer kennt das nicht. Man hat zwei Sorten von Geschirr daheim. Das Nutz- und Alltagsgeschirr, das jeden Tag herhalten muss und das schöne Geschirr. Das schöne Geschirr ist in unserem Fall genauso alt wie das nicht-schöne Geschirr und verstaubt im Schrank. Nur zu Geburtstagen bekommt es frische Luft. Man muss das schöne Geschirr ja schonen. So trotzt man der Wegwerfgesellschaft. Dieses 79,95-Euro-Geschirr werde ich einst meinen Enkeln vermachen! Jawohl! Sie werden es erleben, denn ich verwende das schöne Geschirr nicht.

Das schöne Geschirr habe ich gekauft, als wir einen eigenen Hausstand gegründet haben. Eckige Teller kamen gerade in Mode und da musste ich natürlich gleich zuschlagen, um die Verwandten bei ihrem ersten Besuch gleich mal ordentlich zu beeindrucken. Die Tanten kommen schon lange nicht mehr zu Besuch und dem Rest ist es egal. Da ist es doch schade um das schöne Geschirr. Ich sammle die Teller zusammen, die ich zum Teil im Keller gelagert habe. Schluss mit falscher Rücksichtnahme. Das ist die Rebellion der Hausfrau. Das schöne Geschirr wird nun hemmungslos benutzt - ohne besonderen Anlass! Regeln sind zum Brechen da! Jawohl!

Die Ess- und Kuchenteller sind riesig. Genau richtig für ein Sternerestaurant, denn egal, was du anrichtest, es bleibt immer noch zuviel Teller übrig. Ganz elegant wirken auch die feinen Wellen, die nur auf einer Seite der Teller eingearbeitet sind. Sie sehen wirklich toll aus, diese Teller! Die kleinen, dazugehörigen Kaffee-Haferl sorgen dafür, dass man bei jeder Portion Wasser und Kaffee sparen kann. Also, beim Besuch. Für einen selber ist das natürlich blöd, weil man viel häufiger zur Maschine rennen muss.

Die Teller schulen die Konzentration. Denn die Kuchenteller lassen sich nur in die Maschine räumen, wenn die Wellen gleich ausgerichtet sind. Die großen Teller kann man im Geschirrspüler gar nicht abnutzen. Sie passen nämlich nicht hinein. Und auch die Schranktür darf man nicht zu hart zuschlagen. Hier wurde auf den Millimeter gearbeitet.

Was mich zum nächsten Punkt bringt. Ich sollte mir meine Wohnung um die Teller herumbauen. Die aktuelle ist zu klein dafür. Zumindest unsere Tische. Am Esstisch bequem für vier Personen decken? Keine Chance! Dicht aneinandergequetscht wird das Geschirr am Rand des Abgrunds drapiert, weil sonst der Platz zu wenig wird. Passende Präsentation geht anders.

Schöne Bescherung mit dem schönen Geschirr. Nach zwei Tagen habe ich aufgegeben. Aber der nächste Geburtstag kann kommen. Das schöne Geschirr ist sauber und einsatzbereit.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Im Rathaus

Schäferstündchen - Wenn Eltern miteinander ins Bett gehen

Auf dem falschen Fuß erwischt