Direkt zum Hauptbereich

Ab auf die Wiesn


Das Frühlingsfest hat die Wiesn-Saison eingeleitet. Ab ins Zelt, ran an die Mass und rauf auf die Bank! Wir feiern, als gäbe es kein Morgen mehr! Nur blöd, dass das gestern war. Denn heute sieht das ganz anders aus und ich weiß endlich, wer die Wiesn nachmittags bevölkert.

Es sind Eltern mit ihren Kindern. Eltern, die wahnsinnig froh über etwas Abwechslung im Alltag sind. Eltern, die immer auf der Jagd nach einem Bespaßungsprogramm für die Kinder sind. Denn das Tagesziel lautet: Mache dein Kind so müde, dass es abends einfach nur noch ins Bett fällt. Egal, wie.

Na gut, ganz egal ist es einem dann doch nicht. Ich machte mir schon Gedanken, ob Zwergnase mit den ganzen Eindrücken klar kommt. Die vielen Lichter, die laute Musik, das Heulen und Hupen der Fahrgeschäfte. Dazu die vielen Menschen. Wenn man sich vorstellt, dass so ein Kind ja von seiner Höhe aus nur eine Wand aus Wampen sieht... Ich würde mich da bedroht fühlen! Aber diese vielen neuen Eindrücke sind ja auch furchtbar spannend. Es gibt soviel zu sehen, so viel zu erleben und so leckere Sachen zum Essen! Am Ende heißt es natürlich, wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Mama bespricht auf dem Weg zum Fest die Karussell-Strategie mit ihrer Mama-Freundin. Werden die Kinder sitzen bleiben? Wird Zwergnase weinen? Wird es ihm gefallen? Wir graben in unseren Erinnerungen, welche Fahrgeschäfte überhaupt schon geeignet sind. Ja, das eine kleine, das nur im Kreis fährt. Das könnten wir schon versuchen. Erstmal nur mit einem Chip. Zum Ausprobieren. Das andere, das Kurven und über eine Brücke fährt? Nein, nein. Da sind sie noch zu klein. Wenn die da runterfallen! Nicht auszudenken. Überhaupt drehen wir erst eine Runde, damit sich die Kinder etwas eingewöhnen können. Ja, das klingt nach einem Plan. So wird's gemacht!

Wir betreten das Festgelände und kommen genau 25 Meter weit, bis es heißt: "Mama! Schau! Tatütataa! MAAAAAMAAAAAA!!!!" Nix da von wegen Eingewöhnungsrunde. Zwergnase kam, sah und siegte. Über das Feuerwehrauto mit Lenkrad, Blaulicht und Sirene. Aus der einen Testfahrt wurden drei und als ich ihn rausnehmen wollte, spreizte Zwergnase Arme und Beine, um im Wagen für Fahrt Nummer vier sitzen bleiben zu können. Erst das Versprechen für Pommes konnte ihn widerwillig aus dem Karussell locken. (Hust. Abends gab's dann Gemüse. Ehrlich. Indianerehrenwort.)

Gemütlich auf der Bierbank sitzen und seine Mass (an diesem Nachmittag genau genommen eine verdammt dünne Radler-Halbe) genießen? Mit Kind? In welchem Universum lebst du denn, liebe Mama? Das Festzelt muss natürlich bis in den letzten Winkel erkundet werden und Zwergnase steht schon mal für in 14 Jahren auf den Bänken Probe. Früh übt sich... Die Pommes waren erst halb aufgegessen, als es am Rockzipfel zupfte und mir von zwei weit aufgerissenen Kulleraugen mitgeteilt wurde: "KARUSSELL FAHREN!!!" Jetzt, sofort, unmissverständlich und ohne Aufschub.

Am Ende saßen wir dann etwa eine Stunde vor der tollen Bahn mit Kurven und Brücke, für die die Kinder ja ganz bestimmt noch zu klein sind, auf Plastikbänken. Den Kindern drückst du einen Sack voller Fahrchips in die Hand und dann musst du nur noch regelmäßig winken. Sehnsüchtig blickten wir zum Weißbierzelt. Eigentlich könnte uns doch die Bedienung so ein nettes kleines Radler... Aber verantwortungsvolle Mamas trinken nicht in der Öffentlichkeit. Das machen sie zuhause!

Als wir nach gerade einmal zwei Stunden und um etliche Euros leichter den Festplatz verlassen, ist Zwergnase fix und fertig - und die Mama auch. Zum Einschlafen braucht sie dann nicht mal mehr ein Radler.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Shoppingtour

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich mit Vorliebe online shoppe. Das hat verschiedene Gründe. Abends auf der Couch quengelt mir kein Kind ins Ohr, läuft davon, betatscht und begrapscht alles, braucht ein Klo, will ein Spielzeug haben oder findet Kleidung probieren langweilig. Ich brauche die Kinder erst gar nicht anziehen und ins Auto packen, keine Tasche mitschleppen, mit dessen Inhalt wir drei Tage in völliger Abgeschiedenheit überleben könnten, ich brauche keinen Parkplatz suchen und bezahlen.
Dennoch war ich vor kurzem mit meiner Mutter shoppen. Die Kinder habe ich dem Mann aufs Auge gedrückt und dann sind wir nachmittags in die City. Wir brauchten Kleider für einen festlichen Anlass. Da sind wir penibel, da wollen wir den Stoff sehen und fühlen, die Qualität vorab prüfen. Außerdem fallen die Größen bei Abendkleidern so unterschiedlich aus, dass es ohne Anprobieren nicht geht.
Im einschlägigen Bekleidungsgeschäft in der Deggendorfer Einkaufspassage Degg's stehen wir in der e…

Dino Expo XXL in Deggendorf

Gestern und heute gastiert die Dino Expo XXL auf dem Festplatz in Deggendorf. Mit einem großen kleinen Dinofan zuhause überlegt man natürlich, ob sich ein Besuch lohnt. Die Bewertungen auf Facebook sind allerdings nicht gerade berauschend. Vor allem der Preis wirkt abschreckend. Wer nicht über eine Sonderkarte verfügt, zahlt für einen Erwachsenen 9 Euro und für Kinder 8 Euro, vergünstigt kostet der Eintritt 6 Euro. Die Ausstellung öffnet um 11 Uhr und schließt um 18 Uhr.
Geboten werden Nachbildungen der einschlägigen Dinoarten, die allen Eltern von interessierten Kindern bekannt sein dürften, etwa der T-Rex und ein Spinosaurier, ein Parasaurolophus und ein Triceratops. Es gibt Dinos zum Herumklettern, einen Sandkasten, in dem nach Knochen gegraben werden kann, einen T-Rex-Kopf in Originalgröße, zwei Urwaldwelten, ein Infozelt, in dem eine Doku abgespielt wird und Miniaturskelette ausgestellt werden sowie viele Sachtexte und Bilder. Weiterhin gibt es einen Verkaufsstand mit überteuerte…

Hochzeiten und andere Katastrophen

Hochzeiten sind toll. Verwandte, Freunde und Schmarotzer (Mehrfacheinordnungen möglich) finden sich zu solchen Gelegenheiten zusammen. Es wird getanzt, gegessen und gelacht. Noch nach Wochen hat man etwas zu reden. Über Tante Emmis Kleid, dass Onkel Rolf besoffen unterm Tisch lag, der füllige Onkel nur ein Kinderschnitzel serviert bekam und dann vom Buffet auch noch den Kuchen der eigenen Mutter erwischte. Doch das Beste an solchen Tagen sind die Kinder.
Zu Hochzeiten und anderen Katastrophen werden diese nämlich bei der freien Oma abgegeben. Ich liebe meine Kinder über alles, wirklich. So sehr, dass ich weder ihnen noch mir einen langen Tag zusammen im Wirtshaus antun möchte. Es geht ja schon los, wenn man sich für den Anlass zurecht macht. Nein! Gib ihr keine Breze! Apfelbäckchen wird nicht nur sich selbst einsauen! Zwergnases Nutella-Kussmund wird magisch von weißen Hemden oder teuren Roben angezogen, weil ihm ausgerechnet dann einfällt, dass er mich in der Nacht soooo sehr vermis…