Direkt zum Hauptbereich

Kurhotel des Grauens - Folge 1


Nichts ahnend macht sich die Familie auf dem Weg in die Kurklinik. Das Wetter ist durchwachsen. Man kann die Sonne hinter den grauen Wolken nur erahnen. Der kalte Ostwind lässt sie schon auf dem Weg zum Auto frösteln. Rasch zieht sie ihre Jacke enger um den Körper. Die Fahrt verläuft fröhlich. Aus dem Radio tönen Kinderlieder, die eifrig mitgesungen werden. Dass der Himmel sich immer mehr verdunkelt und bedrohlich über der Bergkette hängt, sehen sie nicht.


Kurz vor dem Ziel wird es still. Die Bebauung hat abgenommen, die Dörfer wirken verlassen und herunter gekommen. Die breite Bundesstraße durchschneidet die Landschaft und spiegelt das Grau des Himmels. "Meine Güte", murmelt sie, "so muss das Ende der Welt aussehen!" Der Wind fegt durch das blanke Geäst der wenigen Bäume an der Ortsdurchfahrt. Einsam treibt er eine leere Plastiktüte vor sich her, die gehetzte Saltos schlägt. Am Rathaus bröckelt der Putz. Obwohl es Samstag ist, sieht man keine Menschenseele auf den Straßen. Als erwarteten sie die Apokalypse. 

"Da! Da vorne muss ein Café sein!" Sie versucht den Hals um die Kurve zu recken. In ihren Augen blitzt kurz die Hoffnung auf, die jäh zerstört wird. Das Café hat seine besten Zeiten hinter sich. Die altbackenen Stores hängen vergilbt an der Scheibe, dahinter ist es dunkel. Die Stühle stehen auf den Tischen. "Jetzt kann es aber nicht mehr weit sein", sagt er, sein Blick aufmerksam auf die Straße gerichtet. Hat er nicht hinter dem nächsten Hauseck eine Bewegung wahrgenommen? Für die anderen kaum merklich geht er vom Gas, um rechtzeitig bremsen zu können, falls der den Weltuntergang einläutende Zombie hervorspringt. Hat auch sie etwas gesehen? Ihr Blick folgt seinem, unruhig rutscht sie auf dem Sitz hin und her.

Als sie auf den Parkplatz der Klinik einbiegen, sehen sie ihn schon von weitem auf der Bank sitzen. Er starrt auf das Gebäude, das einen neuen Anstrich bräuchte. Es ragt bedrohlich in den Himmel und scheint alles zu erschlagen, was sich außerhalb der Mauern bewegt. Ratlos bleiben sie auf dem Parkplatz stehen. Sie wollen sich weder vom Gebäude verschlingen lassen, noch abwarten, bis die Gewalten des Himmels über sie hereinbrechen. Alles in ihnen schreit, diesen Ort wieder zu verlassen. Eine Alte schleicht an ihnen vorbei, doch sie bleibt stumm. 

Gegen ihre Eingebung betreten sie schließlich das alte Gebäude...

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Oma in der Pflicht?

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.
Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt ei…

Mach Mama müde

Endlich Sommerferien! Man wird die im Kindergarten durch soziales Lernen erworbenen Ungezogenheiten wieder los und man erlebt endlich wieder was. Spannung, Spaß und Spiel hilft gegen jegliche Art und jede Tonlage von "Aber Mama, mir ist langweilig!" Zum Beispiel im Vergnügungspark.
In aller Frühe zieht man sich also viel zu viele Kleidungsschichten an, um für jedes Wetter gewappnet zu sein, packt Proviant ein, für den keine Zeit sein wird und erklärt dem aufgeregt herum hüpfenden Kind, dass es wegen der vielen Leute im Park nicht weglaufen soll. Das Kind nickt artig und läuft schon mal voraus ins Auto. Ähm ja.
Der Parkplatz ist der point of no return. Wenn du aus dem Auto steigst, gibt es kein Zurück. Sobald die ersten Fahrgeschäfte in Sicht sind, scheint der Kopf deiner Kinder vor Freude zu explodieren. "Mama! Schau! Damit will ich fahren!" Während Mama sich noch über ihre brillante Ausflugsidee freut, schlängelt sich der 5-Jährige durch die Leute. Nur sein Ziel…

Das Hausschwein

Jedes Mal, wenn ich nach dem Mittagessen unter den Tisch schaue, erscheint mir ein Haustier erstrebenswert. Der Küchenboden wäre jederzeit krümelfrei, geradezu wie geschleckt. Freilich müsste man darauf achten, dass das Tierchen alles verträgt und Übergewicht soll es von den Portionen unter dem Tisch ja auch nicht bekommen. Mit so einem Tier übernimmt man schließlich Verantwortung.

Warum eigentlich nicht? Nach kurzen Recherchen bin ich los und komme mit Pumba wieder heim, unserem neuen Hausschwein, ein kleines Allesfresserchen.

Zunächst sitzt Pumba nur in der Ecke. Soll er sich nur eingewöhnen. Ich sichere derweil die Wohnung. Nicht, dass Pumba versehentlich irgendwelches kleinteiliges Spielzeug erwischt oder sich an herunterhängenden Kabeln zu schaffen macht. Da muss man schon vorsorgen. Man kann sich kein Haustier anschaffen und glauben, dass alles so weiterläuft wie bisher!

Schließlich ermuntere ich Pumba zu einer Erkundungstour. Seine Neugier ist geweckt. Zielstrebig läuft er auf …