Direkt zum Hauptbereich

Kinderfasching - Nur der Stärkste überlebt

Zugegeben, ich bin eher ein Faschingsmuffel. Wenn ich die Anweisung "Aber im Kostüm!" höre, macht sich eine innere Abwehrhaltung in mir breit. Aber als Mutter muss man eben auch über seinen Schatten springen und eigene Vorlieben hinten anstellen. Man will ja seinem Kind nichts vorenthalten, was irgendwie zur Kultur gehören könnte. Also wird ein Bärenkostüm für das Alter von 3-5 Jahren gekauft, das Zwergnase, 2 Jahre, gerade so passt. Mama wird zum Marienkäfer.


Bild: www.pixabay.com / desertrose7
Doch wer dachte, dass es bei einem Kinderfasching lustig zugeht, der irrt gewaltig! Einlass ab 13.00 Uhr, Beginn 14.00 Uhr. Übersetzung. Du hast mindestens um 12 Uhr einen Verbündeten zu schicken, der sicherheitshalber 20 Plätze belegt - ohne Handtücher. Reservierung 2.0. Wenn du dort nämlich um 14 Uhr aufkreuzt, ist die Party bereits gelaufen. Du hast Glück, wenn du dich irgendwo noch unter vernichtenden Blicken dazu zwicken kannst. Die Bedienung ignoriert dich gekonnt, bis du ihr ein Bein stellst. Auf meinen Kaffee warte ich immer noch. Aber wenigstens bekommt Zwergnase seine Pommes. Das Wichtigste!

Zwergnase ist dieser Fasching nicht ganz geheuer. Laute Musik, ein noch lauterer DJ und eine Moderatorin, die so freundlich durch den Nachmittag führt wie Darth Vader durch Besichtigungen des Todessterns. Dennoch hat die Eltern der Ehrgeiz gepackt. Bei den Spielen geht es ums nackte Überleben, die Reise nach Jerusalem erhält eine ganz neue Bedeutung. Nur der Gewinner steht schließlich am Ende oben, das müssen die Kleinen früh lernen. Am besten am Vorbild. Und so scheuen die meisten Mütter den Einsatz ihrer Ellbogen nicht, um dem eigenen Nachwuchs nach vorne zu katapultieren. Wehe dem armen Frosch, dessen Mutter einfach "Das schaffst du schon!" gesagt hat! Er liegt relativ schnell am Boden und wartet darauf, vom nächsten Laster überfahren zu werden - und das ist nicht bildlich gemeint!

Während die Mütter mit dem Smartphone im Anschlag jeden Augenblick dokumentieren, haben sich die Väter in die hintersten Reihen verzogen. Der schöne Sonntagnachmittag. Bundesliga gegen Eisköniginnen und Yedi-Ritter. Da rühren sie in ihren Kaffeetassen, weil sie sich kein Bier bestellen zu trauen und überlegen, ob sie nicht einen lebensbedrohlichen Männerschnupfen vortäuschen sollen.

Nach zwei Stunden ist dann eh schon Schluss. Zwergnase beschließt: Laut. Heiß. Das Bärli hat ausgetanzt.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wann wird's mal wieder richtig Sommer?

Im Sommer kann kommen, was wolle, ich beschwere mich nicht über die Hitze. Es gibt schließlich nichts Schlimmeres als einen verregneten Sommer, bei dem man Trübsal blasend an der Fensterscheibe klebt und verzweifelt, was man mit den Kindern noch anstellen könnte. Dieses Jahr blieb uns das erspart. Wenn es einem zu heiß wurde, fuhr man halt in den Urlaub. Nach Italien oder so.
Wir sahen nicht, wie der Rasen ausblieb, weil wir ständig beim Baden waren. Die Kinder schliefen am Abend müde im Bett und wir saßen mit Cocktail in der Hand auf dem Balkon. Unser Rum-Verbrauch kam diesen Sommer dem eines Piratenschiffs aus der Karibik gleich.
Das Freibad machte im September zu. Am letzten Tag hatte es 30 °C, die darauffolgenden Tage 33 °C. Aber im September kann man ja nicht mehr baden. Viel zu frisch! Als der Rum alle war, kauften wir keinen neuen mehr. Einerseits wollten wir den anonymen Alkoholikern entgehen, andererseits konnte ja jeder Abend der letzte draußen sein. Und dann steht der Rum …

Oma in der Pflicht?

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.
Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt ei…

Der Kindergeburtstag

"Ich bin zur Geburtstagsfeier eingeladen!" Stolz hält mir Zwergnase die liebevoll gebastelte Einladung mit aufgeklebten Monsterauge und Zähnen vor das Gesicht. Seine Aufregung steckt mich an. Das wird sein erster richtiger Kindergeburtstag sein, ohne dass Mama den ganzen Nachmittag Händchen hält. Plötzlich bin ich nervöser als er. Denn Zwergnase gruselt sich schon etwas vor dem ganzen Halloween-Zeug, auch wenn er es nicht zugibt. Zwergnase ist begeistert. In der Woche vor dem Geburtstag malen wir täglich entweder auf Papier oder mit Straßenmalkreide Spinnen, Vampire, Geister und Skelette. Wenn er nachts zu uns ins Bett kriecht, geht das nur noch mit Taschenlampe. Aber seiner Begeisterung tut das keinen Abbruch. Ich bringe es nicht übers Herz, ihn nicht auf den Geburtstag zu lassen, weil er danach Angst haben könnte. Frage aber die Mama, ob ich nicht eine kleine Weile bleiben dürfe. Noch während ich die Nachricht abschicke, komme ich mir wie eine Glucke vor. 
Während ich Zwe…