Direkt zum Hauptbereich

Höchststrafe für den Langschläfer

Bild: FreeImages.com / Dore Ryniss
Ich liebe Zwergnase. Über alles. Wirklich. Aber mit einer seiner Eigenschaften komme ich wirklich überhaupt nicht klar. Er steht viel zu früh auf. Das ist wirklich mit Abstand das Schlimmste am Elternsein für mich. Mein Bett und ich waren ziemlich beste Freunde, würde ich sagen. Doch seit Zwergnase auf der Welt ist, trifft die Beschreibung "Schlaflos in Deggendorf" wohl eher auf mich zu.

Das Hauptproblem ist wahrscheinlich das mütterliche Reaktionsgen. Ich will einfach mal behaupten, dass dies bei mir besonders gut ausgeprägt ist. Es äußert sich folgendermaßen. Wenn ich gegen 22 Uhr ins Bett gehe, kann ich nicht einschlafen, obwohl ich müde wie ein Stein bin. Ich wälze mich hin und her und lausche immer wieder, ob nicht Geräusche aus dem Kinderzimmer dringen.

Irgendwann werden die Lider dann doch schwer. Ich wälze mich noch dreimal hin und zurück und merke, dass es jetzt gleich so weit ist. Pure Erleichterung macht sich in mir breit, nun endlich einschlafen zu können -  als würde mir nun endlich jemand zuflüstern "Deine Lider werden ganz schwer. Du merkst, wie dich der Schlaf davonträgt..." oder was auch immer solche Entspannungsdinger dahin faseln. Und es ist immer, wirklich genau immer genau dieser Moment, wenn ich wirklich einschlafe, in dem das Babyphon anspringt und Zwergnase brüllt. Weil er sich den Kopf gestoßen hat, die Decke weggestrampelt hat und friert oder die Decke nicht weggestrampelt hat und schwitzt. Wie mans macht, macht mans verkehrt. Mama springt also auf, trägt den Zwerg in ihr Bett, geht nochmal schnell aufs Klo und kuschelt sich zu ihrem Spross, der artig sofort weiter schläft, als wäre überhaupt gar nichts gewesen. Und Mami? Ist hellwach. Wieder. Der Sekundenschlaf zuvor hat gereicht, um mich mindestens eine Stunde weiterwälzen zu lassen.

Wenn ich nach dieser Stunde ausgewälzt habe und wieder am Einschlafen bin, schläft Zwergnase genau so lange, dass er anfängt, im Bett herumzuwandern. Mitunter setzt er sich auch wie ein Schlafwandler auf, um sogleich wieder umzufallen. Mit seinem harten Schädel treffsicher auf Mamas Nase. Er spielt aber auch gerne Propeller und dreht sich wie ein Kreisel im Bett. Wo er dafür mit den Füßen ansetzt, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.

Und irgendwann ist es Morgen. Zwergnase setzt sich auf, strahlt dich an und ruft mir "Mama! Brille!" entgegen. Der Zeitpunkt, an dem ich mich endgültig von meinem Bett verabschieden kann. Es handelt sich sozusagen um den Point of no return und sehnsüchtig werfe ich meinem Kissen einen letzten Blick zu. Aber ich bin mir sicher, dass ich mich rächen werde. In 15 Jahren etwa werde ich am Sonntagmorgen Staubsaugen und Schnitzel klopfen und alles andere, was Krach macht. Und wenn Zwergnase sich dann das Kissen über den Kopf zieht und stöhnt "Mama, muss das sein?", dann werde ich grinsen. Von einem Ohr zum anderen. Jawohl.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Oma in der Pflicht?

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.
Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt ei…

Mach Mama müde

Endlich Sommerferien! Man wird die im Kindergarten durch soziales Lernen erworbenen Ungezogenheiten wieder los und man erlebt endlich wieder was. Spannung, Spaß und Spiel hilft gegen jegliche Art und jede Tonlage von "Aber Mama, mir ist langweilig!" Zum Beispiel im Vergnügungspark.
In aller Frühe zieht man sich also viel zu viele Kleidungsschichten an, um für jedes Wetter gewappnet zu sein, packt Proviant ein, für den keine Zeit sein wird und erklärt dem aufgeregt herum hüpfenden Kind, dass es wegen der vielen Leute im Park nicht weglaufen soll. Das Kind nickt artig und läuft schon mal voraus ins Auto. Ähm ja.
Der Parkplatz ist der point of no return. Wenn du aus dem Auto steigst, gibt es kein Zurück. Sobald die ersten Fahrgeschäfte in Sicht sind, scheint der Kopf deiner Kinder vor Freude zu explodieren. "Mama! Schau! Damit will ich fahren!" Während Mama sich noch über ihre brillante Ausflugsidee freut, schlängelt sich der 5-Jährige durch die Leute. Nur sein Ziel…

Das Hausschwein

Jedes Mal, wenn ich nach dem Mittagessen unter den Tisch schaue, erscheint mir ein Haustier erstrebenswert. Der Küchenboden wäre jederzeit krümelfrei, geradezu wie geschleckt. Freilich müsste man darauf achten, dass das Tierchen alles verträgt und Übergewicht soll es von den Portionen unter dem Tisch ja auch nicht bekommen. Mit so einem Tier übernimmt man schließlich Verantwortung.

Warum eigentlich nicht? Nach kurzen Recherchen bin ich los und komme mit Pumba wieder heim, unserem neuen Hausschwein, ein kleines Allesfresserchen.

Zunächst sitzt Pumba nur in der Ecke. Soll er sich nur eingewöhnen. Ich sichere derweil die Wohnung. Nicht, dass Pumba versehentlich irgendwelches kleinteiliges Spielzeug erwischt oder sich an herunterhängenden Kabeln zu schaffen macht. Da muss man schon vorsorgen. Man kann sich kein Haustier anschaffen und glauben, dass alles so weiterläuft wie bisher!

Schließlich ermuntere ich Pumba zu einer Erkundungstour. Seine Neugier ist geweckt. Zielstrebig läuft er auf …