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Männerlogik

Bild: FreeImages.com / Alan Eno
Er steht vorm Spiegel. Demonstrativ streckt er seinen Bauch heraus, umkreist ihn liebevoll mit den Händen. "Wann ist es denn soweit?", frage ich. Ein Seufzen. "Ja, ich sollte wieder mehr für mich tun. Dieser Speck auf den Hüften wird immer hartnäckiger." Angesichts der Tatsache, dass ich nichts anderes tue, als mit meinem Körper zu kämpfen, während mein Göttergatte hier von zwei oder drei Kilo mehr oder weniger spricht, verzichte ich auf Diplomatie. "Jaaaaaa..." nuschle ich nur.

Es trifft ihn nicht wirklich. Denn in seinem Männerhirn wurde bereits eine unaufhaltsame Kette von Aktionen in Gang gesetzt. Denn Männer kennen keine Ausgewogenheit. Sie kennen nur mit dem Kopf durch die Wand. Sie wollen der Welt ihre Superheldenqualitäten beweisen und wie professionell sie sich eines Problems annehmen. "Ha! Ihr Dilettanten! Jetzt komme ich!" schreit der Tatendrang hinaus in die Welt. Es werden Fachartikel studiert und verglichen und vor allem wird passendes Equipment angeschafft. Damit auch ja jeder sieht, dass man(n) Profi ist. Je nach Spleen sammelt sich da so einiges an. Zum Beispiel ein Fahrradtrikot und eine Trinkflasche, um mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. "Ich brauche einfach mehr Bewegung!", hieß es da. Das Trikot hängt einmal getragen im Schrank. Die Trinkflasche verwendet Zwergnase zum Spielen. Im Keller steht ein Ergometer und eine Hantelbank. Ein Sandsack ist, wenn ich mich richtig erinnere, auch aufgehängt worden.

Jüngst wurde auch erläutert, wie es sich mit der Kalorienbilanz verhält. "Du nimmst nur ab, wenn du weniger aufnimmst, als du verbrauchst!" - Aha. Der Stein der Weisen also. Die Theorie wird alsdann in die Praxis umgesetzt. Abends gibt es einen kleinen gemischten Salat. Sieht zumindest recht gesund aus. Oder drei Tomaten und ein Stückchen Käse. Auf die Nachfrage, ob das denn gereicht habe, folgt prompt ein "Ich bin satt!!!" Es vergeht eine Stunde, nach der er plötzlich aufspringt und zum Kühlschrank geht. Dieser wird von oben links bis unten rechts nach Essbarem abgescannt. Der Jäger und Sammler eben. Der Kühlschrank wird unverrichteter Dinge wieder geschlossen. Das Männchen nimmt wieder auf der Couch Platz. Nur wenig später springt er erneut auf, hechtet zum Süßigkeitenregal, schnappt sich eine Tafel Schokolade und füllt erneut die Druckstellen auf der Couch aus. Stetig und zuverlässig wie ein Uhrwerk wandern die Finger zur Schokolade und damit zum Mund, bis die Packung leer ist. Diese wird wie von Geisterhand auf dem Couchtisch abgelegt. Keiner will es natürlich gewesen sein! Bloß nicht drauf ansprechen!

Aber ohne Bewegung kann man ja sowieso nicht abnehmen. Da muss man die Gelegenheit beim Schopfe packen. Deswegen wurde auch die Wurstsemmeln verschmäht, die bei einer Renovierungsaktion bereit standen. Erneuter Vortrag zur Kalorienbilanz mit Rechenbeispiel zur Verbrennung durch körperliche Aktivität, während eine Semmel verdrückt wird. Das muss reichen!

Zwei Stunden später wird geradezu beiläufig erwähnt, dass man sich ja schon sehr lange keine Pizza mehr bestellt hätte. Wäre doch mal wieder was! Sie fragt, ob man sich vielleicht eine teilen könnte. Aber das geht natürlich wegen des Mindestbestellwertes für Lieferungen nicht, wird sie aufgeklärt. Und so isst er seine Pizza ganz alleine.

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