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Was der Bauer nicht kennt,...

...frisst er nicht. Seit wir Eltern sind, heißt es nicht mehr "Wo machen wir am Wochenende Party?", sondern alle paar Wochen mal "Wir könnten ja mal wieder Essen gehen." Der Teufel liegt im Detail, denn "Essen gehen" führt bei uns meistens nicht zu einem Erlebnis, das man so schnell nicht mehr vergisst. Denn das Spektrum der Restaurants und Essenskulturen, die wir uns zutrauen, wächst sehr langsam. Man könnte auch sagen gar nicht. Wenn es heißt "Wir könnten ja mal wieder Essen gehen", steht eine handvoll Lokalitäten zur Auswahl. Ich zähle sie mal eben auf. Sie sind wirklich überschaubar. Für jede Nationalität kommt auch nur ein Restaurant in Frage.

  1. Der Italiener
  2. Der Grieche
  3. Der Mexikaner
  4. Der Asiate
Drittens und viertens zählen aber eigentlich nicht . Da gehen wir nur hin, wenn wir ganz verzweifelt sind. Die Liste der "Da könnten wir ja eigentlich auch mal hingehen"-Lokale ist hingegen lang. Aber warum gehen wir nicht hin? Weil der Italiener, der Grieche, der Mexikaner und der Asiate einfach so schön bequem sind.

Wir gehen zum Griechen. Wir kennen die Kellner, wir kennen die Speisekarte. Eigentlich brauchen wir sie gar nicht mehr. Wir nehmen die 56 mit Tsatsiki. Aber mit Reis statt Pommes. Der Kellner bringt die 56 mit Tsatsiki. Mit Reis statt Pommes. Es schmeckt wie immer. Nämlich gut. Uns geht es hinterher auch wie immer. Wir sind völlig überfressen. Was zahlen dasselbe wie immer. Das nennt man doch Verlässlichkeit! Da fühlt man sich wohl.

Von der Bestellung abweichen? Boah. Das ist aber viel verlangt. Was ist, wenn das neue, unbekannte Gericht nicht schmeckt? Es ist ja auch völlig wahrscheinlich, dass Nummer 56 mit Reis statt Pommes das einzige Gericht auf der Karte ist, was die kochen können... Nein, nein, lieber auf Nummer sicher gehen und keine Experimente! Da weiß man, was man hat!

Und doch haben wir es letztes Wochenende gewagt. Wir haben ein "Da könnten wir ja eigentlich auch mal hingehen"-Restaurant besucht. Den Kroaten! Aber die Unsicherheit war groß. Was erwartet uns da eigentlich? Was isst der Kroate denn so? Ist da überhaupt was los oder sitzen wir alleine im Gastraum? Trauen uns kaum was sagen, weil das Personal alles mithören kann? Wir haben bisher nur von einem Paar gehört, dass man dort gut essen könne. Eine Referenz ist ja nun nicht besonders viel... Als wir zwecks einer Reservierung angerufen haben, meinten die, das noch genug frei sei. Hmpf. Eineinhalb Stunden bevor wir kommen wollen? Es Angstzustand zu nennen, ist wirklich übertrieben, aber eine gewisse Unbehaglichkeit gegenüber des völlig Unbekannten stellt sich doch ein...

Als wir das Lokal betreten, fallen wir wider Erwarten nicht tot um. Wir werden freundlich in Empfang genommen und zu einem freien Tisch gebracht. Die Vorhänge sind etwas altbacken, auch die übrige Einrichtung, aber ein topmodernes, frisch renoviertes und hippes Interieur zahlt man ja schließlich immer mit. Die Bedienung ist flott und freundlich und obwohl wir die kroatischen Gerichte nicht aussprechen können, können wir problemlos bestellen, auch wenn es nicht die 56 mit Reis statt Pommes ist. Schnell stellen wir fest, dass das atlbackene Design nicht der Küche entspricht. Auf jeder zweiten Platte, die der Kellner durch die Gegend trägt, tanzen lustige Flammen herum. So eine Show haben wir beim Griechen ja noch nie bekommen. Das Essen kommt schnell und heiß und schmeckt. Jetzt werden wir mutig! Wir bestellen sogar den typisch kroatischen Schnaps. Er schmeckt grauenvoll - aber das tut Ouzo auch. So ehrlich muss ich schon sein.

Als wir völlig zufrieden das Restaurant wieder verlassen, ist unsere Liste um 5. der Kroaten gewachsen. Wir nehmen uns vor, öfter mal was Neues auszuprobieren. Aber zum Kroaten könnten wir ja schon wieder mal gehen. Auch wenn die Gerichte da keine Nummern haben...

Bildnachweis: FreeImages.com / Richard Bennett

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