Direkt zum Hauptbereich

Im Freibad


Nur langsam bewegt sich die Karawane fort. Ich bin froh, nicht alles alleine tragen zu müssen, sondern einen Packesel an meiner Seite zu haben. Den Wagen über das holprige Gelände zu schieben, ist anstrengend genug. Die Sonne brennt unerbittlich auf unsere Häupter nieder und treibt uns den Schweiß aus jeder Pore. Der Packesel ächzt unter der Last der überdimensionalen Badetasche und der ebenfalls überdimensionalen Kühltasche. Wir sind vorbereitet. Auf jeden Ernstfall.

Die Oase ist wegen der Hitze stark überrannt. Wir quetschen unsere Decke zwischen die vielen anderen, breiten unsere Handtücher großzügig aus und entledigen uns unserer Kleidung. Ein Blick in den Wagen. Er ist weg. Weg! Elegant hat er sich durch den Bügel geschlängelt und ist entfleucht. Voll bekleidet und ohne Sunblocker schert sich Zwergnase nichts um fremde Reviere. Sein Ziel ist anvisiert. Er nicht aufzuhalten. Quer rennt er durch das Wasser, um sich seine Eroberung zu sichern. Einen Gummiball. Denn der, den Papa gerade aufgeblasen hat, ist ja nicht so schön. Voller Stolz kommt er mit dem fremden Ball und völlig durchnässt zurück. Gut, dass es ohnehin so heiß ist. Dass ich ihn aus der Kleidung schäle, kommentiert Zwergnase mit ohrenbetäubenden Gebrüll, zumal Papa den fremden Ball zurückbringt. Dann auch noch eincremen! Wir fallen auf. Wir ernten tödliche Blicke. Wir verziehen uns schnell mit sämtlichem Spielzeug in den Kinderbereich. Merke: Dein Spielzeug nimmst du für andere Kinder mit, damit dich keiner krumm ansieht, wenn dein Kind mit fremden Spielzeug spielt. Es gilt: Fremdes Spielzeug ist immer besser. Bereits der Versuch, es deinem Kind wegzunehmen, ist strafbar!

Nach ausgiebigen Geplansche, der Verteidigung fremder Eimerchen und Gießkannen, überfällt Zwergnase ein Bärenhunger. Entschlossen zerrt und zieht er an der Kühltasche. Sie ist bis zum Rand gefüllt, denn wenn Zwergnase Hunger bekommt, bekommt auch Papa Hunger. Das ist Gesetz. Alles muss also doppelt und dreifach vorhanden sein, damit niemand einen qualvollen Hungertod sterben muss. Zwergnase zieht immer noch, weil er vorher noch abgetrocknet wird. Die Tasche hält den frei werdenden Kräften nicht Stand und reißt. Muss man wohl unter Kollateralschaden verbuchen. Zwergnase sucht sich eine Banane aus. Er beißt zweimal ab, dann sieht er einen neuen Ball. Zwergnase jagt den Ball, Mama jagt Zwergnase mit der Banane in der Hand. Wir lernen das ganze Schwimmbad kennen.

Aber irgendwann werden auch die Batterien meines Duracell-Hasen leer. Jetzt bloß nicht im Auto einschlafen! Nach so einem Tag soll Zwergnase doch erst in seinem Bett umfallen. Perfektes Timing ist hier alles, der Grat sehr schmal... und am Ende des Tages fallen auch Mama und Papa einfach nur noch ins Bett. Morgen zieht die Karawane dann weiter...

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Von hoffnungslosen Herrchen und ihren Haufen

Ich mag keine Hunde. Sie sabbern, ich mag ihren Geruch nicht und man weiß nie, ob er dich anspringt, wenn du einem begegnest. Aber das Schlimmste sind die Hundehaufen. Dafür kann das Tier natürlich nichts. Irgendwo muss es sein großes Geschäft verrichten. Und zwar dort, wo es sein Herrchen lässt. Auf Gehwegen, in Sandkästen auf Spielplätzen, in Vorgärten, Garageneinfahrten und auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen. Die aufgestellten Hundetütenbehälter werden ignoriert. Ich kann es mir schon vorstellen. Am Rande eines Weges. Unbeobachtet. Der Hund setzt an, tut, was er tun muss. Es hat keiner gesehen, warum soll man sich die Hände schmutzig machen? Ein Nachbar hat ein Schild mitten in seinen Vorgarten gesetzt, dass sein Garten kein Hundeklo ist. Gegenüber ein Pappschild: "3 Meter Einfahrt - 3 Hundehaufen. Muss das sein?!" Spricht man die Herrchen an, bekommt man nur eine schnippische Antwort und die Haufen bleiben liegen. Erheblichen Schaden können Hunde

Der Hund auf der Straße - (K)ein Straßenköter?

Ich mag Hunde nicht besonders. Wenn ich auf der Straße einem begegne, ignoriere ich ihn. Es käme mir nicht in den Sinn, einem Hund oder seinem Besitzer zuzusprechen. Das Tüddelü der alten Damen, wenn sie normalerweise Babys sehen. Von wegen "Ja, ist das ein Süßer! Ja, wie heißt er denn? Bist ein Braver, gell! JAAAAAA!" Ähm. Nein. Zuviele Hunde von Bekannten sind an mir hoch gesprungen und haben mir die Kleidung ruiniert. Außer einem "Normal macht der das nicht! Höhö!" kam herzlich wenig von den Besitzern. Wenn ich nur an diese eine Jeans denke... Weiß der Geier, wo der Hund zuvor rumgelaufen war. Die Flecken von seinen Pfoten bekam ich nie wieder raus. Zu oft bin ich schon in Hundedreck gestiegen. Zu oft habe ich zu Zwergnase sagen müssen, dass er hier und dort keine Blumen pflücken darf, weil da Hunde reinkacken. Noch öfter hat mich das plötzliche Gebell hinter einer Hecke erschreckt oder wurde Zwergnase davon aufgeweckt. Nein, meine Erfahrungen mit Hunden sind bi

Oma in der Pflicht?

Foto: Karin Futschik Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert. Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegerm