Die Sache mit den Bienen und Blüten

Ich weiß nicht mehr, wann und wer mir die Sache mit den Bienen und Blüten erklärt hat. Aber wenn man es genau nimmt, ist diese Kinderaufklärung eigentlich gar nichts für schwache Nerven. Hallo? Ich meine, die Blüte steht da recht hilflos herum, zuweilen sogar am Straßenrand, und muss sich sozusagen ungefragt von den Bienen bespringen lassen. Man lese genau: Nicht von einer Biene, der die Blume nach einer intensiven Kennenlernphase die Erlaubnis erteilt hat. Nein, von Bienen! Wahllos und zahllos! Die arme Blüte hat überhaupt gar keine Wahl! Es handelt sich sozusagen um Vergewaltigung am laufenden Band und niemand geht dagegen vor. Im Gegenteil. Die dreisten Vergewaltiger werden auch noch unterstützt und gefördert, wo es nur geht. Schützen müsse man sie, weil sie immer mehr verschwinden und gefährdet sind. Unser Nachbar hat jüngst sogar eine Sammelstation für 5000 Bienen eingerichtet, in der sie ihre nächsten Übergriffe planen können. Soweit mir zugetragen wurde, sollten die Ziele vor allem Obstbäume betreffen.

Aber jede Geschichte hat ja zwei Seiten. Bevor man Blüten jeglicher Art in eine Opferrolle zwängt, muss auch deren Verhalten analysiert werden. Ich muss sagen, mein anfängliches Mitgefühl und meine Betroffenheit haben sich schnell ins Gegenteil verkehrt. Da stehen sie da, diese harmlos tuenden Blüten, verströmen einen unwiderstehlichen Duft und kokettieren mit dick geschminkten Blättern, die sie so einfach rumhängen lassen, damit wirklich jeder sie sieht. Sie schreien ja förmlich "Nimm mich!" Aber dem nicht genug! Sie drängen sich ihrer Umwelt ja ungefragt auf. Kein Fünkchen Privatsphäre respektieren sie, sodass es dem Allergiker vor Wut schon die Tränen in die Augen treibt. Rücksichtslos und ungehemmt verteilen sie ihren Blütenstaub in alle Windrichtungen. In jede Ritze dringt er ein und setzt sich fest, in der Hoffnung, noch irgendwo ein Single-Blütchen zu finden. Dann tut er noch so, der Blütenstaub, als wäre er pures Gold! Wenn ich es barock haben hätte wollen, dann würde ich in einer Kirche wohnen, verdammt! Es ist keineswegs nötig, meinen Balkon, meine Gartenmöbel, meine Fensterbänke, meine Regale, meine Anrichte, meinen Esstisch, meine Stühle, meine Bettwäsche, meine Handtücher und was weiß ich noch alles, zu vergolden! Aber man wird ja nicht um Erlaubnis gebeten von diesem Pack. Mit dem Gartenschlauch kann man zwar versuchen, sich der Avancen zu erwehren, aber das interessiert dieses läufige Gesindel ja nicht! Kaum steckt man den Schlauch weg, kommt es schon wieder angetrabt und schmiegt sich anbiedernd an alles, was nicht bei drei... die Fenster geschlossen hat.

Hach, und da sollen einem die Blüten noch leid tun? Die haben es nicht anders gewollt! Geben sich so einfach ihrer Natur hin. Das geht doch nicht! Schickt ihnen Bienen, die es ihnen mal so richtig besorgen, dann haben meine Gartenmöbel vielleicht Ruhe!

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Im Rathaus

Schäferstündchen - Wenn Eltern miteinander ins Bett gehen

Auf dem falschen Fuß erwischt