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Bastel, der Barbar

Kennt ihr das? Wenn ihr eine Bastelanleitung erhaltet, euch genau daran haltet und das Ergebnis dann wie gekauft aussieht? - Ich auch nicht.
Ich bin ungeschickt. Meine Fingerfertigkeit entspricht wahrscheinlich der eines Erstklässlers. Naja, gut. Eigentlich liegt sie nur knapp über der von Zwergnase.

Die Eltern-Kind-Gruppe ist daher meine persönliche Hölle, in der Bastel, der Barbar, zum Vorschein kommt. Bastel ist das kleine naive Monsterchen, das mir innewohnt. Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er keine Fantasie hätte, er überstürzt losarbeiten würde, nein. Ganz im Gegenteil hat er immer eine ganz tolle Idee im Kopf. Leider ist diese am Endergebnis nicht ersichtlich und im Entstehungsprozess will einfach nichts so klappen, wie es Bastel gezeigt wird.

Die Papierblume zum Muttertag

Die Idee: Wir schneiden Blumen aus Bastelkarton aus und bedrucken diese mit den Fingerabdrücken der Kinder. So "dürfen" die auch mitmachen. Man möchte es nicht glauben, aber schon das Ausschneiden der zwei Blüten bereitet mir Bastel Probleme. Man braucht nur einmal vorzeichnen, wenn man das Papier knickt und beide Blumen gleichzeitig ausschneidet. Dumm nur, wenn ich Bastel das Schneiden beim Knick anfängt, sodass beide Papierbögen dann mit verkrampften Fingern zusammengehalten werden müssen, damit sie nicht verrutschen. Außerdem bin ich ist Bastel echt zu doof, auf der Linie zu schneiden. Nein, er lässt sicherheitshalber immer ein wenig Abstand, nachdem er im Kindergarten mal eine Kartoffel immer kleiner und kleiner ausgeschnitten hat, ohne es zu merken und aus der Kartoffel dann eine Backerbse wurde. Dumm daran ist nur, dass man dann ja immer einen Vorzeichenrand sieht. Die Gruppenleiterin verdreht die Augen ob sowenig Können. Danke auch.

In kleine Schälchen werden kindertaugliche, nicht-chinesisch-giftige Farben gegeben, damit da ja nichts passiert. Die etwa 1-jährigen Kinder sollen jetzt vorsichtig mit einem Finger in das Schälchen tippen und mit Mamas Hilfe die Farbe auf die Papierblume transportieren. Schöne Theorie, mein Kind hat aber leider auch Bastel von mir geerbt. Patsch! Das Händchen in der Schale, die Farbe nicht nur an der Hand, sondern überall. Naja, gut, gibt es halt einen Handabdruck? Findet Zwergnase doof. Er verschmiert das Vielzuviel an Farbe auf der Papierblume. Und auf dem Tisch. Und auf dem Stuhl. Und auf Mamas Hose. Und auf Zwergnases Hose. Er ist eben kreativ... und hat augenscheinlich Spaß dabei. Es gibt weder einen Finger-, noch einen Handabdruck. Wir versuchen das Gepatze mit einer zweiten Farbe zu kaschieren. Man lese dazu noch mal die letzten paar Sätze, selbes Procedere. Die anderen Mamis sind schlauer, sie haben Zwergnase und mir und Bastel zugeschaut. Die Kinder werden von den Farben ferngehalten, die Farbtupfer mit einem Pinsel verteilt. Pfff. Warmduscher! Während die Blüte trocknet, Blütenblätter ausschneiden. Wir brauchen vier. Könnte man ja so machen wie mit den Blüten. Machen wir auch - und schneiden wieder als erstes den Knick durch.

Pause. Die Farbe kriegen wir gar nicht alles ab und sie landet auf Zwergnases Breze. Naja, wird ihn schon nicht umbringen. Er leuchtet zumindest noch nicht im Dunkeln. Danach muss die Blume noch zusammengesetzt werden. Mit Heißkleber werden die Einzelteile an einem Schaschlikspießchen aus Holz befestigt. Mit Heißkleber! Schon mal so ein Teil gesehen? Der wird mit PISTOLEN aufgetragen! Pistolen sind Waffen! Vor allem in meinen Händen. Brandgefährlich, das Ganze! Zumindest für meine Fingerkuppen. Aber das nehm' ich ja gerne in Kauf für selbst gebastelte Blumen, von denen ich nicht weiß, wie ich sie verstecken soll.  Denn das Ergebnis am Ende ist zwar nicht schön, aber selten, wie man eben so sagt. Da freue ich mich ja schon wahnsinnig auf den Briefbeschwerer, den wir für Papa basteln werden... und Bastel, der Barbar, reibt sich schon die Hände.

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