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Wellness-Wahnsinn in der Wanne

Jeden Tag straft mich das kleine weiße Körbchen in meinem Bad mit vorwurfsvollen Blicken. Sein Inhalt, eine Menge von Badeölen, -salzen, Gesichtsmasken und sonstige Kosmetikartikel, die ich zur Geburt zur Entspannung geschenkt bekommen habe, vegetiert armselig vor sich hin. Ich bin nicht der Typ, der sich jedes Cremchen und jede Lotion von der Kosmetikindustrie aufschwatzen lässt. Doch in regelmäßigen Abständen fasse ich mir ein Herz und will mein kleines weißes Sammelkörbchen glücklich machen.

Mit dem Bild einer attraktiven, tiefenentspannten Dame im Kopf, die sich im Vollschaumbad räkelt, schließe ich die Badezimmertür hinter mir. Ich lasse das Wasser ein und entscheide mich für ein Badeöl mit Patschuli und Sanddorn, dass angeblich die Entspannung fördern soll. Ich ziehe mich aus, drehe mich zur Wanne und dann - schwups! Die erste Enttäuschung. Nix da mit Schaumparty. Das Wasser sieht eher aus wie ein vertrocknender Tümpel in der Wüste. Ich kippe herkömmliches Schaumbad dazu, Sanddorn und Patschuli müssen nun im Untergrund wirken. Pech gehabt. Mit gestreckten Fuß, einer Venus gleich, steige ich in das Wasser, um sofort wieder herauszuspringen und einen Regentanz aufzuführen. Autsch! Das Wasser ist ja viel zu heiß! Als ich dann endlich im angenehm temperierten Wasser liege, bleibt nicht viel Zeit zum Entspannen. Entweder es friert mich an Füßen, Knien oder Oberkörper. Je nachdem, was gerade aus dem Wasser ragt. Um mich komplett lang zu machen, dafür ist die Wanne zu klein. Zudem hält das Wasser nur gefühlte drei Minuten die angenehme Temperatur, dann muss man nachbessern. Also schnell Haare waschen, spülen und eine Haarkur aus dem Körbchen drauf. Eigentlich würde die kleine Packung wohl für vier Anwendungen reichen, aber dieses kleine Ding ist so unselig verpackt, ja, wie soll ich das denn aufbewahren? Also die Kur für fünf Mal auf einmal drauf. In den Genuss einer Kur kommen meine Haare ohnehin selten. Viel hilft viel, lautet hier die Devise! Die Einwirkzeit will natürlich voll vom Wellness ausgenutzt werden. Eine Gesichtsmaske flattert ja auch noch rum. Nur her damit und rein in die Fr... ähm, schön auf dem Gesicht einmassieren. Sofort fängt die Haut angenehm zu prickeln an. Diese eine Mini-Maske wird mit Sicherheit alle Falten glätten, die ich gar nicht habe! Wunderbar. Hier muss ich ebenfalls eine Einwirkzeit einhalten. Kann ich gleich nebenbei das Waschpeeling machen, Rasur und Nagelpflege. Gerade, als ich mich mal wirklich lang machen will, geht mein Gesicht in Feuer auf. Schnell brause ich Haar- und Gesichtskur ab. Und eigentlich reicht es mir auch schon wieder. Das Wasser kühlt schon wieder ab, vom Schaum ist nichts mehr vorhanden. Also raus aus der Wanne. Erst zu spät dämmert es mir, dass das aggressive Trockenrubbeln der Haare wohl der Haarkur nicht gerade entgegenkommt, aber zu spät. Lass' ich halt den Föhn weg. Das muss reichen.

Zur Feier des Tages darf auch mal die Bodylotion dran. Gewissenhaft creme und schmiere ich, aber egal wie ich mich drehe und wende, der Rücken muss leider draußen bleiben. Wie man sich den Rücken selbst eincremt, ja, das zeigen die in der Werbung nie! Viel Grazilität würde da wohl auch nicht mehr übrig bleiben. Warten, bis die Creme einzieht. Ich friere. Jämmerlich. Wie ein junger Hund in der Arktis. Ich durchforste das Körbchen. Ach, kuck, Fußpflege ist auch dabei. Ich creme die Füße mit einer separaten Creme extra nur für Füße ein. Ja keine Handcreme verwenden! Nicht, dass es die Füße noch wegätzt. Die brauchen schon ihre ganz eigene Pflege. Inzwischen ist der Körper trocken, ich ziehe mich an. Habe dennoch das Gefühl, dass alles an mir klebt. Bäh. In den Schuhen rutsche ich herum - die Fußpflege ist nicht gerade auf flinken Socken unterwegs. Was habe ich noch vergessen? Ach ja, Gesichtscreme. Schock, als ich in den Spiegel schaue. Mein Gesicht sieht aus, als wäre jemand mit einer Fräße drüber gerümpelt. Die Tagescreme brennt.

Mit meinem verätzten Gesicht rutsche ich mit meinen Pantoffeln aus dem Bad. Mir ist kalt, die Kleidung klebt und eigentlich würde ich mich am liebsten nochmal unter eine schöne heiße Dusche stellen. Aber Hauptsache, ich habe etwas für mich getan!

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