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Der rote Flitzer

Kritisch betrachte ich den roten Flitzer vor mir. Wie ich mit dem Teil Zwergnase samt Wickeltasche zu meiner Mutter bringen soll, ist mir ein Rätsel. Da haben wir doch nie Platz! Aber es hilft nichts. Nicht ganz der Straßenverkehrsordnung entsprechend nehme ich Zwergnase auf den Schoß und klemme die Tasche unter dem Ellenbogen ein, als ich mich ans Steuer setze. Ein anderes Gefährt steht uns heute nun eben nicht zur Verfügung. Es ist noch früh - eigentlich noch Nacht - und ich wähle unbefahrene Nebenstraßen, um mit meiner ungewöhnlichen Transportmethode nicht aufzufallen. Für eine Polizeikontrolle habe ich heute wahrlich keine Zeit. Schließlich muss ich heute pünktlich in die neue Arbeit kommen und mit meinem sehr umweltfreundlichen Auto muss man dann doch etwas mehr Zeit einplanen. Bei den gerade einmal fünf Kilometern komme ich doch arg ins Schwitzen. Aber Zwergnase hat seinen Spaß und drückt mit voller Freude immer und immer wieder die Hupe. Die Straßen sind zum Glück leer und keiner beachtet uns. Völlig außer Puste erreiche ich mein Elternhaus, drücke Zwergnase noch einen Kuss auf und mache mich wieder auf den Weg. Schließlich habe ich jetzt nochmal rund zehn Kilometer vor mir und die Straßen füllen sich allmählich. Ich hole Schwung, so gut es geht, um Kraft zu sparen. Nach einer halben Ewigkeit stehe ich an der großen Kreuzung auf der Linksabbiegerspur an der Ampel. Mit meinem Öko-Geschoss komme ich mir reichlich dämlich vor, allerdings scheinen die anderen Verkehrsteilnehmer in keiner Weise irritiert. Zumindest kann ich nicht feststellen, dass sie dumm glotzen würden. Wahrscheinlich werden sie sich in ein paar Jahren auch nur noch auf diese Weise fortbewegen. Da kann man sich zumindest das Workout im Fitnessstudio sparen. Nervös sehe ich aber auf die Uhr. Ich brauche doch länger als gedacht und ich überschlage kurz, ob ich noch rechtzeitig zum Arbeitsbeginn ankommen kann. Es wird wahrscheinlich knapp werden, aber es ist zu schaffen. Als die Ampel auf Grün schaltet, gebe ich Gas, so gut es eben geht - dennoch bin ich, ich kann es nicht leugnen, ein Verkehrshindernis. Trotz des inzwischen starken Berufsverkehrs erfahre ich allerdings keine Anfeindungen, allenfalls mitleidige Blicke. Die Donaubrücke ist eine Hürde, weil es doch mehr bergauf geht, als man es in einem herkömmlichen PKW wahrnimmt. Auf der anderen Seite jedoch lege ich die Beine hoch, um den Schwung des Gefälles auszunutzen. Tschaka! Hätte ich langes Haar würde ich wohl nun etwas von "Vom Fahrtwind verweht" schreiben, aber die Frisur sitzt. Die rasante Abfahrt kann ich jedoch nicht allzu lange genießen, denn die Uhr tickt. Ich gerate in Panik. Ich darf auf keinen Fall zu spät kommen und die Zeit rennt! Ich bin kurz davor aufzugeben, als ich meine letzten Kraftreserven mobilisiere und zum Endspurt ansetze. Das geht ganz schön in die Beine...

Und tatsächlich erreiche ich in allerletzter Minute den Parkplatz. Als ich mein knallrotes Bobby Car abstelle, piepst es zur ersten Stunde... ach halt, das war mein Wecker...

Bildnachweis: FreeImages.com / Alexsandro Pereira

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