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Freispruch für den Trockner

Bildquelle: http://www.heycon.de/Trockner1.jpg
Ich habe einen Trockner und ich liebe ihn. Besonders in der kalten Jahreszeit, wenn die Wäsche auf dem Ständer ewig bräuchte, bis sie trocken ist. Brezen, Plätzchen, Mittagsbrei, Sabber und andere kleine Malheure sind der natürliche Feind der Kleidung - sowohl der des Kindes als auch der eigenen. Alle paar Tage wird also die Waschmaschine angeworfen (die sich auch hervorragend dazu eignet, den Spross zu beschäftigen), anschließend wird die volle Ladung in den Trockner geworfen, damit noch am selben Tag der Kleiderschrank wieder aufgefüllt werden kann.

So manch gestandene Hausfrau würde wohl einen Schreikrampf kriegen, was bei mir alles im Trockner landet. Nämlich alles. Nur bei den wenigsten Teilen studiere ich zuvor das eingenähte Etikett. Der Kollateralschaden hält sich in Grenzen. Bisher musste ich nur einen Pullover zu Grabe tragen, dessen Wollanteil wohl doch etwas größer war, als ich angenommen hatte. Da ich weder über die Figur noch über die Kältetoleranz verfüge, einen Wollpulli bauchfrei zu tragen, wurde er eben entsorgt. Er hat sowieso unerträglich gekratzt. Vielleicht war es auch ein mehr oder weniger geplanter Anschlag am Pulli...

Auch Zwergnases Kleidung landet im Trockner. Schließlich müssen die Sachen möglichst schnell wieder verfügbar sein. Ich könnte mich zwar auch mit dem Föhn vor den Wäscheständer stellen, aber energetisch betrachtet, kommt wohl der Trockner günstiger. Ich wasche, trockne und bügle. Ich stecke Zwergnase in die Badewanne, wasche und trockne ihn (allerdings per Hand) und lasse das Bügeln weg. Zwergnase ist von Natur aus faltenfrei. Und obwohl Zwergnase und seine Wäsche im hygienischen Bereich die gleiche Behandlung erfahren, verhalten sich beide ganz und gar gegensätzlich zueinander. Die Wäsche scheint mit jedem Trockenvorgang immer kleiner zu werden, während Zwergnase wie durch ein Wunder mit jedem Waschvorgang zu wachsen scheint (dabei dachte ich immer, dass man nur Pflanzen gießen muss. - Ja, Mama, mach ich gleich!).

Obwohl wir doch eben erst die Größe gewechselt haben, geht es schon wieder los auf der Wickelkommode. Wir ziehen und zerren am Body, damit man die Knöpfe unten zubekommt. Ab einem gewissen Stadium sollte man auch fünf Minuten warten, ob sie wieder aufspringen. Den Oberteilen scheint die Behandlung im Trockner auch nicht so gut zu bekommen. Haben sie doch letzte Woche noch so schön gepasst und nun werden sie an den Schultern eng und irgendwie sieht man immer den Body, auch wenn man sie ganz nach unten zieht. Die Jogginghose war doch eigentlich auch eine bis zu den Knöcheln und keine 7/8-Hose?! Vielleicht sollte ich Zwergnases Kleidung doch separat auf dem Wäscheständer lufttrocknen lassen. Ein frommer Vorsatz, den ich meist genau einmal einhalte. Dann ist wieder keine Kleidung im Schrank und der Trockner öffnet bereitwillig seine Arme.

Mindestens einmal die Woche wird Zwergnase aber schick gemacht, weil wir einen Ausflug machen. Dabei wir der Stapel "Vorzeige-Kleidung" geplündert. Diese Teile haben gut lachen, sie werden nämlich sehr viel seltener mit Waschmaschine und Trockner malträtiert. Einige Teile haben sogar beides noch nie gesehen, weil sie noch nie getragen wurden. So einen Pulli zog ich vor zwei Wochen aus dem Schrank. Hm, der wird wohl etwas klein ausfallen, hab ich mir gedacht, als ich Zwergnases Arme mit Müh und Not in die Ärmel fädelte und sich der Pulli an den Schultern nicht so recht anlegen wollte. Schließlich musste der glückliche ja noch keine meiner Radikal-Kuren ertragen. Diese Woche erging es mir dann ähnlich. Es ist aber auch zum Haare raufen, dass ich beim Kleiderkauf immer die Teile erwische, die etwas knapp ausfallen. Ich habe mich schon über mich selbst geärgert, als mein Mann auf die glorreiche Idee kam, den Meterstab auszuklappen.

Tatsächlich ist Zwergnase in den letzten drei Monaten (ja, ist wohl mit dem Größenwechsel doch schon etwas länger her) gewachsen. Sachen gibt's... Ich habe mich daraufhin sofort bei meinem Trockner entschuldigt.

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