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Gemetzel im Gemüsebeet

Wer bei mir den grünen Daumen sucht, sucht vergeblich. Meine Zimmerpflanzen kämpfen ums nackte Überleben. Sie haben gelernt, mit ihren Ressourcen sparsam umzugehen. Kann es eine nicht, landet sie in der Biotonne. Charles Darwin hätte seine Freude an ihrem Kampf ums Dasein. Hin und wieder trifft das Amnesty International der Pflanzen ein und versorgt sie mit Überlebenspaketen wie Wasser und Dünger. Meine Mutter hat einen Orden verdient.

Dieses Jahr im Frühjahr hat sich jedoch ein neuer Kriegsschauplatz aufgetan. Ein vakantes Blumenbeet mit schnuckeliger Grenzbefestigung in einer gemütlichen Ecke unseres Gartens bot die Gelegenheit für einen Eroberungszug. Die Infanterie verteilte ihre Minen in Form von Karotten- und Radieschensamen. Des Weiteren wurden Stützpunkte in Form von Petersilie, Schnittlauch, Gurken, Tomaten, Zucchini, Paprika und Salat buchstäblich in den Boden gestampft. Die Invasion des Gemüses und die Niederschlagung der Blumenherrschaft schien erfolgsversprechend. Doch das Blatt sollte sich bald wenden.

Erst nach der Besetzung stellte der Feldherr fest, dass die Blumen dem Prinzip der verbrannten Erde gefolgt waren und es keinerlei Ressourcen mehr zu holen gab. Die Versorgung stand auf sehr, sehr wackeligen Beinen. Der Feldherr versorgte zwar seine Soldaten täglich mit einer Wasserration, allerdings stellte sich erst später heraus, dass diese zu knapp bemessen war, da auch die Witterungsbedingungen kärglich waren und die Rationen ihrer Wirksamkeit beraubten. Der Feldherr hat den Bedarf seiner Soldaten schlichtweg unterschätzt. Die Rationen wurden zwar sofort verdoppelt und verdreifacht, als der Fehler bemerkt wurde, aber die Lage wird als aussichtslos eingeschätzt.

Die mangelnde Fähigkeiten im Ressort Versorgung blieben jedoch nicht die einzige Schwierigkeit. Wie immer, wenn irgendwo ein Machtvakuum entsteht, streben mehrere Mächte nach der Vorherrschaft. Es dauerte nicht lange, bis sich eine Horde schleimiger Nudisten einschleichen wollte und die Soldaten weiter durch ihre heimtückischen Nachtangriffe dezimierten. Regelmäßige Angriffe mit Chemiewaffen in Form von Schneckenkorn schaffen jedoch Abhilfe.

Die Radieschen schlugen sich tapfer und hatten sich bald Urlaub verdient. Zur Auffrischung kamen sie in den sibirischen Ort namens Kühlschrank und durften zusätzlich im Wasser baden. Leider waren auch sie vom Pech verfolgt. Aufgrund einer Hitzewelle wurde die Klimaanlage zu weit heruntergefahren, sodass sie in ihrem Wasserbad einfroren. Möge Gott ihrer Seelen gnädig sein. Sie schieden so unvermittelt aus dem Leben.

Derweil vegetierten die Tomatenpflanzen vor sich hin. Aber sie haben hartnäckig gekämpft. Sie kamen zwar keinen Zentimeter vorwärts, ließen sich jedoch auch nicht zurückdrängen. Bei einer Stippvisite des Generalarztes - inzwischen mit einem Orden ausgezeichnet - blieb nur noch die Evakuierung übrig. In ihrem neuen Zuhause, ein erstklassiges Sanatorium unter Leitung des Generalarztes, gedeihen sie prächtig.

Die Gurke konnte unter höchster Kraftanstrengung eine Frucht liefern. Dennoch ist ihre Lage aussichtslos, der Heldentod ist absehbar. Die Zucchini wird mangels Verstärkung wohl dasselbe Schicksal ereilen. Der Generalarzt konstatierte jedoch, dass eine ungeahnte Einschränkung schon vor dem Einsatz bestand. Beide hätten ihren Dienst also gar nicht antreten dürfen.

Paprika und Salat halten sich tapfer, genauso die Karotten. Petersilie und Schnittlauch sind am vielversprechendsten. Der Salat rüstet sich sogar für eine neue Offensive.

Nichtsdestotrotz muss man der Wahrheit ins Auge sehen. Die Kapitulation wird spätestens im Herbst unausweichlich sein. Danach soll möglichst schnell Gras über die Sache wachsen.

Bildnachweis: FreeImages.com / Les Powell

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