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Babymassage - Der Tragödie erster Teil

Ich habe mich auf eine Warteliste zur Babymassage setzen lassen. Nachdem ich schon keinen Geburtsvorbereitungskurs besuchen konnte, auch ein Schwangerenfrühstück im Landratsamt keine Kontakte ergeben hatte, dachte ich mir: "Vielleicht doch dort!" In meinem Umfeld war ich alleine schwanger, sodass sich bis auf eine sehr liebe Internetbekanntschaft mit leider mehreren Hundert Kilometern Distanz nichts ergeben hatte. Wageln zu zweit mit Babytalk wäre ja doch lustiger.

Das Problem an der Sache ist, dass ich andere Mamis nur bedingt leiden kann. Ich konnte auch andere Schwangere nur zum Teil ertragen. Nicht, dass ich kein Menschenfreund wäre, nein, ich mache nur nicht mit bei dem "Ereignis" Schwangerschaft und erstes Kind. Ich habe keinen Angelsound zum Aufspüren der Herztöne gekauft, ich habe kein extra Babyzimmer gekauft und eingerichtet, ich habe mir meine Strähnen machen lassen usw. Die obersten Maxime, an die ich mich in der Schwangerschaft gehalten habe, waren kein Alkohol und kein Nikotin. Meine Salami schmeckte mir vorzüglich (gut, ich bin auch Toxoplasmose positiv...).

Nach der Schwangerschaft nimmt die Spinnerei leider kein Ende. Irgendwo sitzen wohl Marketingexperten, die sich bei jeder panischen Erstmutter genüsslich die Hände reiben. Und auch hier mache ich nicht mit, da die "Trends" in der Babypflege sowieso immer wieder wechseln. Kaum zu glauben, dass wir selbst groß geworden sind, was unsere Mütter alles so "falsch" gemacht haben... Erste Ansprechpartnerin ist und bleibt meine Mama und dann folgt der Austausch mit der Internetbekanntschaft, die - Gott sei Dank - ähnlich eingestellt ist.

Also, zumindest mal raus kommen und zur Babymassage. Schon eine Woche vorher habe ich mich gefragt, warum ich mir das angetan habe. Zuhause wäre es doch auch schön! Unsere Vormittage sind schon so schön eingespielt und irgendwie massiere ich ja meine Zwergnase sowieso, wenn er auf dem Wickeltisch liegt. An Körperkontakt mangelt es uns ja nicht und ich nehme mir auch Zeit für mein Kind, wenn es wach ist.

Tasche packen. Kind einpacken. Ersteres ist das einfachere, da zweiteres momentan nicht gern über sich ergangen lassen wird. Prompt komme ich mit der Mütze an, wandert ein flehender Blick zum Papa: "Darf die das? Warum machst du nichts?" Kind also im Maxi Cosi, Maxi Cosi im Auto, Korb mit allerhand Zubehör im Auto. Pflegeöl von Babylove hatte ich extra besorgt, weil das bei Stiftung Warentest ganz vorne dabei ist, während das von Bübchen, von dem ich mehrere Gratis-Probepacks habe, auf den letzten Plätzen rangiert. Nicht, dass ich mich selbst erkundigt hätte. Nein, man bekam da eine Kopie ausgehändigt, was man besorgen soll. Ganz oben standen Pflegeöle, die man wohl nur in der Apotheke bekommt und demnach auch entsprechend kosten werden. (Nein, ich gebe nicht unbegrenzt Geld für meinen Sprössling aus.) Was brauchte ich noch? Ach ja, Decke, Einmalwickelunterlage, Handtuch, Pflegetücher, Windeln, Flasche, heißes Wasser, Pulver, Spuckwindel, Spielzeug, Ersatzkleidung, Schnellhefter für die Massagekopien usw. Ich habe alles in einen Korb statt in die Wickeltasche gepackt, damit alles schnell griffbereit ist.

Dann: "entspanntes Ankommen" zwischen 9.15 und 9.45 Uhr. Ich war alles andere, aber sicher nicht entspannt. Decke und Sitzkissen krallen, auslegen, Einmalunterlage drauf, Kind drauf, Kind ausziehen. Puh. Das Kind ist fit. Prima. Zwergnase mustert interessiert die anderen Babys, schaut sich den Raum genau an, lauscht den Mamis, die sich unterhalten. Wahrscheinlich hat er mehr verstanden als ich, denn drei von den sechs Teilnehmerinnen redeten ausschließlich in einer slawischen Sprache miteinander. Teilnehmerin 4 und 5 kennen sich ebenfalls bereits, weil sie miteinander im Vorbereitungskurs waren oder miteinander entbunden haben oder schlagmichtot. Nix mit ratschen. Dafür das brave Kind anhimmeln. Ist sowieso schöner.

Kursbeginn. Erst einmal Entspannungsübungen für die Mamis. Finde ich ja ganz klasse (Vorsicht: Ironie), weil ich immer sehr gerne vor Wildfremden blöd herumhampele. Zwergnase gibt beunruhigende Laute von sich. Die Mundwinkel gehen nach unten. Mami soll die Augen schließen und sich auf die Liebe zu ihrem Kind besinnen. Mami linst aus einem Auge auf ihr Kind. Sicherheitshalber. Zwergnases Lippen zittern. Lieber doch noch mit dem zweiten Auge drauf schauen. Oh oh. Zwergnase atmet ungewöhnlich tief ein. Die anderen Mamis besinnen sich immer noch auf die Liebe zu ihrem Kind, als Zwergnase mitteilt, dass er da ist und Hunger hat. Mami besinnt sich also nicht mehr auf irgendwelche Sentimentalitäten, sondern wird pragmatisch. Vor der Flasche wird die Windel gewechselt, also Windel auf. Findet Zwergnase toll, man muss schließlich dafür sorgen, dass die Einmalunterlage auch nur einmal benutzt wird (ein Baby-Marketingexperte fällt irgendwo lachend vom Stuhl). Zwergnase lacht über seinen Coup. Dann fällt ihm der Hunger wieder ein und brüllt. Mami bleibt cool, die anderen Mamis besinnen sich immer noch auf die Liebe zu ihrem Kind. Mami macht das Fläschchen und erntet dafür einen missbilligenden Blick von der Kursleiterin. Nicht, weil das Kind brüllt, sondern weil Mami nicht stillt. WIE KANN ICH NUR?

Zwergnase trinkt. Für seine derzeitigen Verhältnisse sogar anständig. Nach 100ml scheint die Neugier wieder zu siegen. Kind wird mit Windel nur auf die Decke gelegt, da sich die Unterlage ja urplötzlich gelb gefärbt hat und nass ist. Beginn der Babymassage. Das Kind auf die Massage einstimmen. Dazu sanft über den Kopf streichen und Blickkontakt herstellen. Zwergnase findet seine Nachbarin aber scheinbar viel hübscher als seine Mami. Zwergnase flirtet also lieber mit Zwergnäschen. Blickkontakt? Fehlanzeige!
Überhaupt will Zwergnase lieber strampeln und Mami sieht er überhaupt sowieso den ganzen Tag. Ui! Ein Licht! Da kann man nicht zu Mami schauen. Oh. Kein anderes Baby schaut her und Zwergnäschen hat nur Augen für ihre Mami. Verräterin! Na dann, hab ich halt wieder Hunger. Allgemeine Ruhe im Raum, die anderen Babys haben anständig mit ihren Mamis Blickkontakt aufgenommen. Es wird mit der Massage begonnen. Außer bei Zwergnase, der zwischen Hungergebrüll und Müdigkeit immer wieder ein paar Züge aus der Flasche nimmt... bis er dann doch irgendwann endlich in meinen Armen einschläft. Die anderen Mamis atmen erleichtert auf, dass der Störenfried endlich Ruhe gibt und sie den Anweisungen der Kursleiterin folgen können. Ich beobachte abwechselnd mein Kind und die Runde. Super-Übermami nebenan hat das teure Apothekeröl. Lieber nicht soviel schauen, sondern dem eigenen Kind beim Schlafen zusehen. Ist besser für's Gemüt.

Endphase des Kurses. Fünf Minuten das eigene Kind anhimmeln. Hm. Ja. Hab ich ja schon die letzte Viertelstunde gemacht. Aber gut. Weiterhimmeln ist ja die leichteste Übung. Zum Abschluss ein Kinderlied. Babys mögen es, wenn Mami singt. Stimmt. Mache ich ja schließlich jeden Abend. Zwergnase mag es aber scheinbar nicht, wenn andere Mamis singen. Zwergnase öffnet erschreckt die Augen. Mami nutzt die Gunst der Stunde, packt Zwergnase vor dem nächsten Gebrüll ein und verschwindet.

Zuhause. Entspanntes Ankommen. Zwergnase ist im Auto im Maxi Cosi eingeschlafen und wird sanft und langsam wach. Papi spielt mit Zwergnase, der lacht und tirilliert. Mami kocht. Also nicht innerlich, sondern das Mittagessen. Und als das Essen fertig ist, schläft Zwergnase selig und süß im Laufgitter... ohne Kinderlied und ganz entspannt.

Bildnachweis: FreeImages.com / Tim & Annette

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