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Knast

Es sind Tage wie diese. Tage an denen dir das Baby direkt vor die Füße kotzt. Genau genommen kotzt es je nach Haltung auf die Füße, auf den Rücken, in den Ausschnitt, und wenn es nicht dich trifft, dann zwischen irgendwelche Ritzen und Fugen oder in andere schwer erreichbare Stellen. Es sind Tage wie diese, an denen du morgens schon weißt, dass du den Geruch von Babykotze den ganzen Tag nicht aus der Nase kriegst, egal wie oft du dich selbst und das Kind säuberst und umziehst. Und du wirst es oft tun.
In dieser Zeit hängt dir der Große mit Sicherheit auch quengelnd am Rockzipfel. Weil du den Apfel falsch aufgeschnitten (mein toller Apfelentkerner ist leider noch nicht da), du das Brot falsch bestrichen und du das ultimative Lieblings-Dino-T-Shirt noch nicht gewaschen hast.
An Tagen wie diesen wünscht du dich an einen Strand in der Karibik mit einem Cocktail in der Hand und deine einzige Sorge ist, was das nächste Buffet zu bieten hat. Lange hält die Vision nicht an, da schalmeit es sc…
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100 Euro als Strafe Gottes

Die folgende Geschichte ist zu 100 Prozent ein Erste-Welt-Problem und so manch einer wird sich bestimmt denken, dass er diese Probleme auch gerne hätte. Dessen bin ich mir vollkommen bewusst und gerade deshalb entbehrt es nicht einer gewissen Situationskomik - außer für Schwaben. Schwaben werden mich sicherlich verstehen. Was ich damit sagen will: Auch diese Geschichte sollte mit Humor gelesen werden. Wer den nicht aufbringt, versucht es einfach später noch einmal. 
Nun geschah es zu jener Zeit, dass wir sehr viele Tage im Möbelhaus zubrachten, um unser neues Zuhause einzurichten. Man kaufte dieses und jenes, und das da wäre ja auch noch praktisch. So kam es, dass die Freundschaftskarte glühte, das Auto ächzte und das Konto stöhnte. Doch nach einer Weile war es vollbracht. Wir waren wunschlos glücklich. Alles stand und hing an seinem Fleck, die Deko verteilte sich alsbald gleichmäßig über die Räume und wir sahen, dass es gut war. 
Und so las ich den maschinell erstellten und ohne Unter…

Final Destination

Es war wirklich eine gute Idee, dass wir den Caravan meines Mannes genommen haben. Während ich mit Zwergnase durch die Fahrradhalle schlendere, spielt Opa Osterhase und verstaut das grüne Fahrrad im großen Kofferraum. Ein guter Tag. Das Einkaufen ging schneller als gedacht, das Kind hat mitgemacht und die Bedienung war auch klasse. Der Osterhase kann das Fahrrad am Sonntag bestimmt vorbeibringen, sagte der Verkäufer, weil der ja sooo groß mit Ohren sei. Er streckte die Arme in die Luft. Der könne das Fahrrad schon in seinem Korb schleppen.
"Oje! Schaut mal!", ruft Zwergnase bei der Ampel am Globus. "Da ist ja ein Auto gegen den Baum gefahren!" Ein kleines weißes Auto liegt im Graben, ein weiteres Auto steht oben am Rand. Zwei Mädchen telefonieren aufgelöst. Sie tun mir leid. Als mir Papas neues Auto mit 18 Jahren Feuer fing, machte ich mir nur Sorgen um das Auto. Ob es den beiden ähnlich geht? Wir spekulieren, wie es zu dem Unfall gekommen ist, während wir an der A…

Mein Verein für alle Zeit

Meine Fußballerziehung sah folgendermaßen aus: Zu Welt- und Europameisterschaften wollte meine Mutter jedes Spiel sehen, egal wer da auf dem Platz stand, während mein Papa nach dem halben Tunier eher stöhnte: "Schon wieder Fußball? Kommt nichts anderes?" Die Bundesliga war für uns eher nicht von Bedeutung. Gibt halt die Bayern, die eh immer gewinnen. Mehr braucht man da eigentlich nicht wissen.
In der Grundschule war die Bedingung der Jungs, dass ich ihnen 7 Spieler der Bayern aufzählen kann, damit ich mit ihnen in der Pause Fußball spielen kann. Allesamt Bayern-Fans, versteht sich. Also habe ich mich an einem Wochenende vor den Fernseher gesetzt und ein Spiel angeschaut. Ich verstand die Spannung eines einzelnen Bundesliga-Spiels nicht so ganz. Am Ende haben die Bayern dieses Spiel verloren, was mir schnurzpiepegal war. Aber ich zählte artig 7 Spieler auf, erntete Anerkennung und durfte mitspielen. Über die Niederlage verlor ich kein Wort. Bin ja nicht doof.
Eine geschickt…

Mittendrin statt nur dabei

Apfelbäckchen entdeckt die Welt. Die Devise lautet mittendrin, statt nur dabei und sie versteht es schon jetzt, ihre Absichten und Wünsche deutlich mitzuteilen. Nein, ich will nicht im Hochstuhl sitzen, sondern auf jemandens Schoß! Nein, ich will nicht im Laufgitter liegen! Da kannst du dich selbst reinlegen! Nimm mich, trag mich, halt mich und das allerwichtigste: Beschäftige mich!
Brauchbar sind dafür vor allem knallig bunte Teile mit vielen verschiedenen Materialien, am besten noch irgendwelche Bänder und Knoten, auf denen sich herumkauen lässt, um das juckende Zahnfleisch zu beruhigen. Wenn es dann noch scheppert. Perfekt!  Meint man. Die Spielzeugkiste quillt über. Dann sitzt das Kind da. Dreht und wendet das teure Spielzeug. Schwupps. Liegt es am Boden. Mama bückt sich, reicht es dem Kind. Dieses dreht und wendet das teure Spielzeug. Schwupps. Liegt es am Boden.

Es ist erstaunlich, wie früh schon gerade die Sachen viel interessanter sind, die man nicht haben kann. Das spornt zu…

Der Bestechliche

Wenn man Kinder bekommt, verliert man seinen Namen. Man ist nur noch "die Mama von..." Die Freunde deiner Kinder nennen dich so, dein Mann nennt dich so, deine eigenen Eltern nennen dich so. Nur dein Kind, das findet "Mama" irgendwann langweilig. Ein neuer Name muss her. Im Moment heiße ich "Ich will aber nicht!" Egal, was Zwergnase zu mir sagt, es ist garantiert begleitet von "Ich will aber nicht!" In sämtlichen Variationen.
Ich will aber nicht Zähne putzen! Ich will aber nichts Gescheites essen! Ich will aber nicht aufräumen! Ich will aber nicht Bieseln gehen! Ich will aber nicht alleine spielen! Ich will aber nicht baden! Ich will aber nicht mit dir backen! Ich will aber keine Schuhe/Socken/T-Shirt/Hose/Pulli/Jacke/Schlafanzug/Unterhose anziehen! Ich will aber nicht ins Bett!
Dazu gesellt sich Wutschnauben, mit dem Fuß auf dem Boden aufstampfen und ohrenbetäubenden Geschrei, das die Wände wackeln lässt. Rumpelstilzchen könnte durchaus noch etwas lern…

Grippenspiel

Ich bin müde. War es eine harte Nacht? Eigentlich war sie wie immer. Irgendwann hörte ich ein rasches Tapp Tapp Tapp, ich hob meine Bettdecke, damit Zwergnase hineinschlüpfen konnte. Dann schlief er ruhig bis zum Morgen. Und Apfelbäckchen schläft sowieso wie ein Stein. Ich gähne. An der Nacht kann es nicht liegen. Erstmal einen Kaffee, dann wird das schon wieder. Die Kaffeebohnen schlagen gegen das Mahlwerk der Maschine. Immer heller wird das Geräusch und der Duft von gemahlenen Bohnen verbreitet sich, die Maschine gibt mit einem Zischen das heiße Wasser zu und langsam läuft das Lebenselixier in die Tasse. Wie das duftet! Mit Kaffee ist alles besser. Ich nehme einen Schluck, doch irgendwie schmeckt er schal. Ich füttere Apfelbäckchen, räume auf. Der Kaffee wird kalt. Ich schütte fast die ganze Tasse in den Ausguss. 
Die Müdigkeit wird drückend, eine Bleischwere senkt sich auf meine Glieder. Ich beuge die Finger, strecke die Zehen. Irgendwie fühlen sie sich eingerostet und schwerfälli…