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Nimm 2 - Doppelt hält besser

5.50 Uhr. Muttertag. Tatort: Elterliches Schlafzimmer. “Alles Liebe zum Muttertag!” Zwergnase drückt mir einen saftigen Knutscher ins Gesicht und überreicht mir stolz sein im Kindergarten gebasteltes Geschenk. Mir wird ganz warm ums Herz. Passend zum Muttertag. Sie geben einen ja soviel zurück, oder wie war das?

Am Tag zuvor. Nachmittag. Zwergnase brüllt. Goldlöckchen quietscht. “Aber das ist meine Trinkflasche!”, protestiert er, während sie die Füße in den Boden stemmt und daran zieht. Ehe ich einschreiten kann, rutscht ihm die Flasche aus der Hand und beide landen auf dem Hosenboden. Jetzt plärren beide, während der Saft ausläuft und klebrige Flecken auf dem Boden macht. Goldlöckchens etwas kleinere Flasche steht unbehelligt auf dem Tisch. Atmen. Einatmen. Ausatmen. “Hättest du sie nicht einfach trinken lassen können?”, presse ich zwischen den Zähnen hervor. Doch selbst wenn Zwergnase ritterlich nachgegeben hätte, ihre eigene Flasche hätte Goldlöckchen ihm ja doch nicht überlassen.…
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Spielermama

Irgendwann kommt im Leben einer Frau der Tag, an dem sie ihren Sohn auf den Fußballplatz begleitet. Sie trägt ihm eine Sporttasche hinterher, so groß, dass in dieser ein weiteres Kind Platz hätte. Während ihr kleiner Star von einem Bein auf das andere tritt, enträtselt sie, wie Schienbeinschoner und Stutzen angelegt werden und hilft dem Champion in die Stollenschuhe, mit denen er ihr auf die Finger tritt. Der Göttergatte hat es sich natürlich nicht nehmen lassen, den Sohnemann schon für das erste Training professionell auszustatten. Das Talent kommt mit dem Spiel… oder so ähnlich.

Mit der Disziplin ist es so eine Sache. Bis der letzte vom Trainer auf seinem Platz positioniert wird, tanzt der erste schon wieder aus der Reihe, während der andere die Gänseblümchen auf dem Rasen zählt. Ich bewundere die Geduld des Dompteurs und bin erstaunt, als dann tatsächlich ein geordnetes Training beginnt, bei dem die zukünftige Nationalelf das Passspiel übt.

Plötzlich liegt Zwergnase am Boden und wei…

Der Osterhase auf der Autobahn

Feiertage sind toll. Man kostet die Tage voll aus. Das meine ich wörtlich. Die Kinder sind voller Vorfreude und hüpfen vor Nervosität höher als der Osterhase. Das heißt im Klartext, dass dir Kind 1 um 5.30 Uhr die Augenlider aufzieht und verkündet, nicht mehr müde zu sein, während dir Kind 2 das Schlafshirt hochzieht, um wild auf deinem Bauch herum zu klatschen.

Kennen Sie die Szenen im Film, wenn die Figur in ihre Wohnung zurückkehrt und feststellt, dass diese von Verbrechern durchsucht worden ist? Die Kinder übernehmen das, noch bevor der erste Kaffee durch ist. Es kommen allerhand verschollener Gegenstände zum Vorschein und unter der Couch wird auch wieder einmal durchgewischt. Doch der Osterhase war noch nicht da.

Wie denn auch. Vor dem ersten Kaffee macht der schließlich nichts. Gewerkschaft und so. Weil das Wetter ein Traum ist, soll der seine Nester draußen im Garten verstecken. Doch Zwergnase ahnt was und es ist gar nicht so leicht, aus der Tür zu schlüpfen.

“Mama, wo gehst du …

S'Gscheidhaferl

Das Ziel der Kindererziehung besteht darin, den Sprössling so fit für die Welt zu machen, dass er ohne Mami und Papi überleben kann. Goldlöckchen wird demnächst ausziehen. Nach nur guten eineinhalb Jahren haben wir das Ziel erreicht. Sie kann den Haushalt führen und sich selbst versorgen. Sie verfügt über eine ausgesprochen gute Problemlösungskompetenz, die an Einfachheit und Effizienz nicht zu übertreffen ist. 
Schon morgens sucht sie sich fachmännisch die Kleidung für den Tag aus, dabei kennt Goldlöckchen keine Kompromisse. Danach kümmert sie sich um ihre alten und gebrechlichen Eltern, denen sie die Socken nachträgt, bis Mama und Papa ordnungsgemäß gekleidet sind. Als dann stellt sie die Hocker für sich und den Bruder ans Waschbecken und schiebt eben diesen ins Bad zum Zähneputzen. Wahlweise zieht sie ihn auch an der Hand. Sie legt ihren Schnuller ab und schiebt sich die Ärmel zurück. Sie weiß, wie der Hase läuft und quietscht energisch, wenn man sich ihr in den Weg stellt. Widerr…

Bastelqueen

Bald ist Ostern. Die selbst bemalten Deko-Eier in Zwergnases Kindergartentasche lassen keinen Zweifel zu. Als er sie mir stolz präsentiert, macht sich das schlechte Gewissen breit. Basteln. Wir basteln ja gar nicht zusammen. Ist das nicht ein Mama-Job? Die Fensterbilder bei der Freundin geben mir den Rest. Jetzt wird gebastelt! Dank des Internets mangelt es nicht an Ideen - allenfalls am Material. Die Vorratskammer gleicht bald einem Wertstoffhof. Es stapeln sich Klopapierrollen, leere Milchtüten und große Einmachgläser. Wenn der Göttergatte den Trennmüll entsorgen will, wühle ich panisch darin herum. Bloß keine Ressourcen vergeuden! Ein Windlicht geht immer. Aus einem Shop in der Innenstadt, der überwiegend Artikel für 1 Euro verkauft, schleppe ich einen ganzen Karton Material heim. Pfeifenreiniger, Stempel, Acrylfarben, Modellierknete, Kulleraugen, Farbpapier, Wolle, Glitzer, Kleister und Kleber.
Zwergnase entscheidet sich für Osterhasen aus Klopapierrollen, die er unbedingt mit de…

Die Fahrradtour

Ich weiß ja nicht, wie andere das machen, aber mehr Bewegung habe ich mit meinen Kindern nicht. Statt selbst aktiv zu werden, stehe ich die meiste Zeit recht reglos neben den spielenden Kindern. Doch endlich ist es soweit! Zwergnase kann so gut Rad fahren, dass wir einen Ausflug machen können. Der Göttergatte erhält Anweisung, meinen Drahtesel auf Vordermann zu bringen und einen Fahrradsitz für Goldlöckchen zu montieren. Das wird toll! Ich stecke Zwergnase mit meiner Vorfreude an.

Der Aufbruch erfordert Planung. Nicht nur der Proviant für eine Woche, sondern der Helm in Griffweite und Zwergnase abfahrbereit. Denn mein alter Drahtesel muss sich schon stützen, wenn er nur den Sitz trägt. Mit Goldlöckchen drin würde er einfach umfallen. Das Fahrrad und ich verschmelzen zu einer Einheit.

Auf dem Fahrradweg stelle ich schnell fest: Zwergnase ist ein Sonntagsfahrer. Er schaut links, er schaut rechts, fährt natürlich auch in die Richtung, in die er schaut, reißt im letzten Moment den Lenker he…

Schuhkauf für Fortgeschrittene

Zwergnases Zeh schnappt frische Luft. Direkt durch ein Loch des rechten Hausschuhs. Also ab ins Schuhgeschäft. Goldlöckchen staunt vor der Regalwand. Eine Mädchen eben. Zwergnase zählt mir auf, welche Superhelden auf den Schuhen sein sollen. Ein Junge eben. Der Göttergatte trottet missmutig hinter mir her. Ein Mann beim Shopping eben. Ich wiege verschiedene Hausschuhe für Zwergnase in der Hand. “Die will ich aber nicht!”, quäkt es plötzlich hinter mir. “Aber die sind doch schön”, entgegne ich. “Ich will welche mit Paw Patrol!” Das habe ich befürchtet. Ich habe längst gesehen, dass es keine Fellfreunde in der passenden Größe gibt. “Da sind doch gar keine Superhelden drauf!”, beschwert er sich. Ein Problem, das nur Eltern in ihrer Gänze erfassen können. Der Göttergatte sieht gelangweilt nach Goldlöckchen. Schließlich ist Zwergnase mit den Hausschuhen ohne Superheld einverstanden, wenn er im Gegenzug Sneaker wie sein Papa erhält. Puh. Ein Glück.
Wo bleibt eigentlich der Göttergatte? Der…