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Grippenspiel

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Ich bin müde. War es eine harte Nacht? Eigentlich war sie wie immer. Irgendwann hörte ich ein rasches Tapp Tapp Tapp, ich hob meine Bettdecke, damit Zwergnase hineinschlüpfen konnte. Dann schlief er ruhig bis zum Morgen. Und Apfelbäckchen schläft sowieso wie ein Stein. Ich gähne. An der Nacht kann es nicht liegen. Erstmal einen Kaffee, dann wird das schon wieder. Die Kaffeebohnen schlagen gegen das Mahlwerk der Maschine. Immer heller wird das Geräusch und der Duft von gemahlenen Bohnen verbreitet sich, die Maschine gibt mit einem Zischen das heiße Wasser zu und langsam läuft das Lebenselixier in die Tasse. Wie das duftet! Mit Kaffee ist alles besser. Ich nehme einen Schluck, doch irgendwie schmeckt er schal. Ich füttere Apfelbäckchen, räume auf. Der Kaffee wird kalt. Ich schütte fast die ganze Tasse in den Ausguss. 
Die Müdigkeit wird drückend, eine Bleischwere senkt sich auf meine Glieder. Ich beuge die Finger, strecke die Zehen. Irgendwie fühlen sie sich eingerostet und schwerfälli…

Macho, Macho

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Zwergnase hat seine Gabel in der Hand und hypnotisiert seinen Teller vor ihm. Unentschlossen schiebt er das Fleisch von einer Seite auf die andere. "Du, Mama, war die Ente eigentlich ein Mann oder eine Frau?" Ich muss aufpassen, dass mir die Gabel nicht aus der Hand fällt. Mein Mund steht offen. Zwergnase spießt ein Fleischstück auf. "Das war bestimmt ein Entenmann. Weil es ja eine Entenbrust und kein Entenbusen ist!" Zufrieden mit seiner Erklärung tunkt er das Fleischstück in die Sauce und steckt es sich herzhaft in den Mund. Seine Füße baumeln unbedarft vom Stuhl.
Ja, die Unterschiede zwischen Mann und Frau interessieren ihn derzeit sehr. Nicht nur die körperlichen. Also dass Mama zum Beispiel den Papa bittet, die Essiggurken aufzumachen. Es ist erstaunlich, welche Schlüsse er aus seinen Beobachtungen zieht. Zum Beispiel gehen Männer in die Arbeit und den Frauen gehört die Küche. Ja, sogar er geht jeden Tag in den Kindergarten, während seine Mama mit dem Apfelbä…

Beziehungspause

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Es hätte alles so schön sein können. Mixen, kochen, rühren, pürieren, dämpfen. Meine Lotta hat all das übernommen. Täglich war sie im Einsatz. Was hab ich auf einmal Marmeladen und Gemüsepaste eingekocht. Doch nach der ersten Euphorie folgte Ernüchterung. Ich ertappte mich immer öfter, dass ich nach dem Stabmixer mit seinem Universalzerkleinerer-Aufsatz suchte, weil dieser leichter zu reinigen ist als der große Mixtopf mit seinem Vier-Klingen-Einsatz. 
Eigentlich hätte ich vorgehabt, Apfelbäckchens Menüs mit Lottas Hilfe zuzubereiten. Doch wenn man allen Aufwand aufrechnet, kann man auch Alete und Hipp für einen kochen lassen. Also hörte Lotta die kleinen Gläschen klirren, als ich sie in den Schrank sortierte. Ja, zwischen Lotta und mir kriselt es gewaltig.
Sie muss das gespürt haben. Vielleicht hat sie sich vernachlässigt gefühlt, vielleicht hat sie eine Schnute gezogen, als ich mehrere Gläser Marmelade entsorgt habe. Denn das einfache Einkochen nützt gar nichts, wenn die Marmelade …

Internetabstinenz

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Seit Wochen gibt es keine kloane Gschicht mehr am Sonntag. Ist das kleine Apfelbäckchen doch nicht so pflegeleicht? Fehlt die Zeit für den Blog? Doch und jein. Unser Apfelbäckchen wächst und gedeiht. Die Zeit für den Blog kam aber dennoch zu kurz. Wir sind umgezogen. Ich hatte einfach keine Zeit für den PC. Was mir auch nichts gebracht hätte. Denn ich hatte den Umzug unseres Telefon- und Internetanschlusses verschwitzt. Als Feind diverser Hotlines habe ich mich also schnurstracks auf in die nächste magentafarbene Filiale gemacht, um dort freudig zu verkünden: "Wir ziehen um!"
Sanfte Augen, von Lachfältchen gerahmt, blickten mich treuherzig an. Das spöttische Zucken um die Mundwinkel verdeckte der Vollbart. "Schön. Wann?" Dass ich etwas zu spät dran war, um für den darauffolgenden Samstag Telefon und Internet nutzen zu können, war schnell geklärt. Gut, halb so wild. Man hat ja ein Handy und so lange kann ja das nicht dauern. Bestätigte mir auch der durchaus freundl…

Von Kochkünsten und Küchenexperimenten

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Zwergnases Speisekarte ist recht eingeschränkt. Am liebsten mag er Nudeln mit Brokkoli oder Knödel mit Soße. Wenn er gut drauf is(s)t, gehen auch mal Bratwürstl mit Kartoffelbrei. Allerdings liebt er Muffins. Da könnte man an einem Samstag mal gemeinsam herzhafte Muffins backen, denke ich mir. In meinen Kochbüchern finden sich zum Beispiel diese grünen Cupcakes. Statt Spinat muss das doch auch mit Brokkoli gehen. Perfekt. Er mag Brokkoli, er mag Muffins und er mag mir beim Muffinbacken helfen. Der Samstagvormittag ist gerettet.

Nicht. Ich zeige Zwergnase das Rezeptfoto und frage ihn, ob er helfen will. Er sieht mich mit dem weisen Blick eines Teenagers an, bevor er meint:
"Mama, die sehen komisch aus. Wenn die nicht schmecken, backen wir richtige Muffins! Ausgemacht?"  Dann widmet er sich wieder seinen Dinos. Aber so schnell gebe ich nicht auf. Ich mache mich ans Rezept.

Als erstes passe ich das Rezept meinem Kühlschrank an. Frischer Blattspinat? Hab ich nicht und will ich j…

Zum Freundschaftspreis

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Dann und wann braucht man neue Möbel. Das bedeutet einen Event-Tag im Möbelgeschäft. Zum Glück häufen diese sich meist an einem Standort, sodass man ausgiebig vergleichen kann - kurz: man läuft sich deppert. Man will sich ja nicht vorwerfen müssen, dass man nicht über das gesamte Angebot Bescheid gewusst hätte, bevor man eine Entscheidung für die nächsten 10 bis 20 Jahre trifft. Drum prüfe, wer sich ewig bindet...!
Der größte Unterschied zur Ehe besteht darin, dass man vor dem Altar nicht davon ausgeht, irgendwann betrogen zu werden.  Beim Möbelhaus hingegen wird man bereits über den noch nicht gekauften Tisch gezogen, sobald einen der Fuß über die Türschwelle trägt. Schon am Eingang wehen Fahnen, die unheimliche Rabatte versprechen. 25% hier, Mehrwertssteuer da geschenkt - alles erzeugt den Drang, sofort zugreifen zu müssen, bevor man zu den Deppen zählt, die den vollen Preis zahlen. Wer will das schon? Parallelen zu einem türkischen Basar drängen sich auf. Man weiß intuitiv, dass ma…

Wie sind denn die Nächte?

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Wenn man mit einem Säugling unterwegs ist, sind die Reaktionen häufig ähnlich. Erwartungsvolle Blicke in den Kinderwagen oder ins Maxi Cosi, ein verträumtes Lächeln und oft genug ein enttäuschtes "Oh, die schläft ja!" Öhm. Deshalb bin ich ja mit ihr unterwegs. Entweder, weil sie schläft oder damit sie schläft. Wenn wir dann schon beim Thema sind, folgt unweigerlich der Bestseller unter den häufig gestellten Fragen an frisch gebackene Eltern: "Wie sind denn die Nächte? Schläft sie durch?"
Ich schlafe jeden Abend mit der Gewissheit ein, dass sie durchschlafen wird. Daran ändert auch das Quäken zwischen ein und zwei Uhr nachts nichts. Erst ganz putzig, ähnlich einem Krokodilbaby, das nach seiner Mutter ruft, dann doch etwas drängender. Kategorie Alarmanlage. Spätestens da reißt man die Augen auf, gefolgt von einem Moment der Orientierungslosigkeit. Blick auf den Wecker, nochmal kurz die Augen schließen, bevor man hinaus in die kalte Nacht tapst. Im Dämmerlicht einer k…