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Ab in den Urlaub

„Covid-19 muss draußen bleiben!“ Da verrutscht dem Partykönig Covid doch glatt das Krönchen. Sehnt er sich doch nur nach etwas Gesellschaft. Diese Diskriminierung lässt er sich nicht bieten und schleicht sich klammheimlich und ungesehen zuerst in einen Gottesdienst und dann auf eine Privatparty in einem Gasthaus. Hauptsache, es wird gefeiert! Kumpel Covid ist nicht wählerisch. Wo er auftaucht, wird er mit einem Aufschrei begrüßt. Man macht ihm sofort Platz und will ihm nicht zu nahe kommen. Die vergangenen Wochen waren wirklich hart für ihn. Die sinkenden Fallzahlen begrüßt Covid deshalb sehr. Langsam kann er sich den Menschen wieder annähern. Sie sind wie die Luft zum Atmen für ihn. Er ist eben ein soziales Wesen. Er genießt jeden Handschlag, jede Umarmung. Wo zwei oder drei beisammen sind, da ist er mitten unter ihnen. Sowohl im Gottesdienst als auch in der Fleischverarbeitung. Das hat ihm wirklich gefehlt. Social Distancing hätte ihn beinahe ins Grab gebracht. Mal sehen, was er dies

(K)ein besonderer Tag

“Mama? Mama? Bist du wach?” Grummelnd drehe ich mich zur Seite. “Heute steht Papa mit euch auf!” Papa schnarcht. “Aber heute ist doch Muttertag!” Der Sohn zieht meine Augenlider nach oben. “MAAAAMAAA!” Zum dritten Kaffee schlurft der Göttergatte in die Küche, drückt mir einen flüchtigen Kuss auf, nimmt mir die volle Tasse aus der Hand und entschwindet zur Morgenkippe auf den Balkon. Na sowas! Ich mache die Betten, räume auf. Dann spähe ich durch den Türspalt in die Küche. Doch der Esstisch sieht aus wie immer. “Hast du was?”, fragt der Göttergatte, während er in den Prospekten blättert. “Was soll denn sein?”, gebe ich zurück. Der Göttergatte steht auf, bleibt kurz vor mir stehen, gibt mir erneut ein Küsschen und verschwindet im Flur. Ich starre ihm nach, rühre mich nicht von der Stelle. Einen Moment später kommt er aus dem Büro und hält eine wunderschöne Orchidee in den Händen. Hätte mich auch gewundert. Ich strecke ihm die Hände entgegen. Doch er drückt sich an mir vorbei und stellt d

Traumreise ans Meer

Zusammen mit einem Family-Pack Toffifee lasse ich mich auf die Couch plumpsen. Während meine Hand immer wieder zum Goldblister und dann zum Mund wandert, scrolle ich mich am Smartphone durch die Artikel zur Corona-Krise. Angemessenes Stressmanagement ist ja so wichtig, um mit der aktuellen Ausnahmesituation besser zurecht zu kommen. Warum nicht mal etwas Neues ausprobieren. Kann ja nicht schaden! Außerdem sind die Toffifee alle. “Kinder!,” verkünde ich, “wir machen Urlaub am Strand. Jetzt!” Wir setzen uns gespannt in die Mitte des Raumes. Ich suche auf YouTube ein Anleitungsvideo für eine Traumreise. Die Kinder blicken kritisch drein. Eine säuselnde Stimme lädt uns ein, ihr an einen Strand in der Karibik zu folgen. Ich schließe die Augen, bereit für die ultimative Stressbewältigung. “Ich will aber nach Italien!”, protestiert der 6-Jährige und verschränkt enttäuscht die Arme. Atmen. Atmen. Atmen. Ich kann es schon richtig spüren, wie mich die Entspannung überrollt. Man muss sich nur ein

Das erotische Dinner

Social Distancing belastet mich überhaupt nicht. Ich liebe es, Selbstgespräche zu führen. Da habe ich immer recht. Ich verbringe sehr viel Zeit mit mir selbst. Klar, manchmal bin ich etwas anstrengend. Da frage ich mich schon, wie ich mich den ganzen Tag aushalten soll. Zum Glück hat sich der Göttergatte dazu verpflichtet, bis dass der Tod uns scheidet. Der geht vor allem im Moment sehr gerne in die Arbeit … im Einzelhandel … mit uneinsichtigen Kunden. Ach… Die Zeit zuhause will ich nutzen. Endlich das tun, was man bisher immer aufgeschoben hat. Ein Paarabend muss her. Ich verspreche ihm ein erotisches Dinner mit allen Schikanen. Beim Überfliegen äußerst aussgekräftiger Artikel im Netz wird schnell klar: Alles gar kein Problem. Champagner, Austern und Trüffel hat die gute Ehefrau selbstverständlich gehamstert.  Mit wenigen Griffen schleppe ich die systemrelevanten Zutaten für das erotischste Dinner aller Zeiten in die Küche. Die Vorfreude hat so schön geprickelt in mein Bauch, dass es

Der Tag des toten Krokodils - Oder: Physikversuch im Homeschooling

Homeschooling läuft bei uns super. Zum einen nutzen wir die geballte mediale Macht, die uns zur Verfügung steht: Lern-Apps, -Videos und -Spiele und Hörbücher aus unserem FreeTime-Abo auf dem Kinder-Tablet und Wissenssendungen im Fernsehen. Geschicklichkeit, Buchstaben, Lesen, Rechnen - spielerisch, interaktiv und unterhaltsam. Was will man mehr? Dazwischen wird gemalt und gebastelt, gefaltet und geschnippselt. Zum anderen könnte es natürlich auch daran liegen, dass unser Sommerkind noch gar nicht in die Schule geht. Upps. Aber die beste Schule ist ohnehin die Schule des Lebens. Da wird das Kuchenbacken zum Physikunterricht. Warum wird die Sahne steif? Wie schlägt der Mixer die Luft in die Flüssigkeit? Gelatine-Blättchen sind erst hart, dann matschig und Hitze löst sie auf. Hitze ist überhaupt das Phänomen überhaupt! Sie verwandelt Wasser in Dampf, lässt Eier hart werden, verfärbt das Spielzeugauto mit Farbwechsel. Hitze kann also den Zustand von irgendwas verändern und zwar im

Social Distancing

Die Berichte aus Italien oder dem Elsass lassen mich schlucken. Ausnahmezustand. Ich möchte nicht mit denen tauschen, die entscheiden müssen, wen sie beatmen und wen sie sterben lassen. Das bedeutet es, wenn man von Triage spricht. LKWs, die Leichen abtransportieren. Leichen. Welch neutraler Begriff. Diese Leichen sind Mütter, Väter, Omas und Opas. Aber nicht nur. Leichen. Das können auch Sohn oder Tochter sein. Wenn man Pech hat, auch im Plural. Menschen, die man lieb hat, die einem wichtig sind. Menschen, die das eigene Leben ausmachen. Ich darf nicht darüber nachdenken. Mir läuft es eiskalt den Rücken hinunter. Man kann nur hoffen, dass die eigene Familie verschont bleibt. Doch es wäre naiv zu glauben, dass alle verschont blieben. So funktioniert das nicht. Es trifft nicht immer nur die anderen. Ich war das letzte Mal vergangenen Dienstag unterwegs. Social Distancing fällt uns nicht schwer. Ich empfinde es sogar als angenehm, sich nicht dafür rechtfertigen zu müssen, warum man