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Das elterliche Meisterstück

“Der Fernseher bleibt jetzt aus!” Entschieden lege ich die Fernbedienung in die Schublade. “Aber Mama!” Fassungslosigkeit macht sich bei Zwergnase breit, Goldlöckchen zeigt protestierend mit dem Zeigefinger auf das Gerät, während sie das Gesicht kraus zieht. Aber ich bleibe konsequent und der Fernseher aus. Ich muss ein Grinsen unterdrücken, als Zwergnase schmollend in sein Zimmer stampft, während seine Schwester ihm ebenso energisch folgt. Zu seinen Entscheidungen zu stehen ist das A und O der Erziehung! Jawohl!

Ich erledige etwas Hausarbeit und freue mich, dass die beiden so einträchtig miteinander spielen. Im Kopf gewinne ich pädagogisches Bullshit-Bingo: Man muss Langeweile auch mal aushalten können - das fördert die Kreativität! Allerdings… Etwas verdächtig ist es schon, dass so gar nichts nach außen dringt. Die beiden Frühaufsteher werden doch nicht eingeschlafen sein?

Leise öffne ich die Tür, um meine beiden Engelchen nicht zu wecken. Doch das Bett ist leer. Stattdessen strahlt …
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Auf der Suche

Jeder Mensch ist auf der Suche. Andere Leute suchen ihren Seelenverwandten, den Partner fürs Leben, das kleine und das große Glück. Manch einer sucht sich selbst oder den Sinn des Lebens. Ich bin auch auf der Suche. Ständig. Ich suche die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Ich suche zum Beispiel Karl-Heinz.

Karl-Heinz ist ein achtzig Zentimeter großer Plüschhase, den mein 92 Zentimeter großes Goldlöckchen an seinen Schlappohren hinter sich herzieht, wenn sie ins Bett geht. Ohne Karl-Heinz geht nichts. Eltern brauche ich die Folgen nicht zu erläutern, wenn der Herr wieder mal abgängig ist. Es muss Karl-Heinz sein und kein anderer. Ist er verschwunden, hilft sie tatkräftig bei der Suche. Goldlöckchen geht in die Knie, hebt den Spieleteppich an, schaut drunter und ruft “Heinse?” Überrascht, nicht erfolgreich gewesen zu sein, lässt sie den Teppich wieder fallen und zuckt mit den Schultern: “Nimma da!” Dann eilt sie mit Feuereifer zum nächsten Versteck, um den Vorgang zu wiederholen.

Finde …

Macho, Macho

Nach einer Weile stellt man bei der Kindererziehung fest, dass es völlig egal ist, was du sagst. Viel wichtiger ist, was du deinen Abkömmlingen vorlebst. Sie sehen alles und sie hören alles. In jeder Einzelheit. So legt Zwergnase im Spiel dem Papa das Fleisch auf den Teller, während Mama am Salatblatt knabbern darf. Vielleicht sollte ich unseren Kaffeekonsum überdenken… Goldlöckchen braucht an der Puppenküche nur die Tassen und den Vollautomat, der so herrliche Geräusche macht. Fehlt nur noch der Duft der Kaffeebohnen. Der Rest interessiert sie nicht. Einen besonderen Pro-Tipp habe ich aber: Vor den Kindern besser nicht das Messer ablecken! Umso mehr freut es mich, wenn andere Mütter mir sagen, wie brav und anständig sich Zwergnase verhält.

Manchmal ergeben sich auch etwas ungünstige Kombinationen. So trägt Goldlöckchen ihrem großen Bruder die Kleidung hinterher und stellt ihm die Schuhe zum Hineinschlüpfen parat. Er lässt es sich natürlich gefallen. Irgendeinen Vorteil muss ja eine k…

Nimm 2 - Doppelt hält besser

5.50 Uhr. Muttertag. Tatort: Elterliches Schlafzimmer. “Alles Liebe zum Muttertag!” Zwergnase drückt mir einen saftigen Knutscher ins Gesicht und überreicht mir stolz sein im Kindergarten gebasteltes Geschenk. Mir wird ganz warm ums Herz. Passend zum Muttertag. Sie geben einen ja soviel zurück, oder wie war das?

Am Tag zuvor. Nachmittag. Zwergnase brüllt. Goldlöckchen quietscht. “Aber das ist meine Trinkflasche!”, protestiert er, während sie die Füße in den Boden stemmt und daran zieht. Ehe ich einschreiten kann, rutscht ihm die Flasche aus der Hand und beide landen auf dem Hosenboden. Jetzt plärren beide, während der Saft ausläuft und klebrige Flecken auf dem Boden macht. Goldlöckchens etwas kleinere Flasche steht unbehelligt auf dem Tisch. Atmen. Einatmen. Ausatmen. “Hättest du sie nicht einfach trinken lassen können?”, presse ich zwischen den Zähnen hervor. Doch selbst wenn Zwergnase ritterlich nachgegeben hätte, ihre eigene Flasche hätte Goldlöckchen ihm ja doch nicht überlassen.…

Spielermama

Irgendwann kommt im Leben einer Frau der Tag, an dem sie ihren Sohn auf den Fußballplatz begleitet. Sie trägt ihm eine Sporttasche hinterher, so groß, dass in dieser ein weiteres Kind Platz hätte. Während ihr kleiner Star von einem Bein auf das andere tritt, enträtselt sie, wie Schienbeinschoner und Stutzen angelegt werden und hilft dem Champion in die Stollenschuhe, mit denen er ihr auf die Finger tritt. Der Göttergatte hat es sich natürlich nicht nehmen lassen, den Sohnemann schon für das erste Training professionell auszustatten. Das Talent kommt mit dem Spiel… oder so ähnlich.

Mit der Disziplin ist es so eine Sache. Bis der letzte vom Trainer auf seinem Platz positioniert wird, tanzt der erste schon wieder aus der Reihe, während der andere die Gänseblümchen auf dem Rasen zählt. Ich bewundere die Geduld des Dompteurs und bin erstaunt, als dann tatsächlich ein geordnetes Training beginnt, bei dem die zukünftige Nationalelf das Passspiel übt.

Plötzlich liegt Zwergnase am Boden und wei…

Der Osterhase auf der Autobahn

Feiertage sind toll. Man kostet die Tage voll aus. Das meine ich wörtlich. Die Kinder sind voller Vorfreude und hüpfen vor Nervosität höher als der Osterhase. Das heißt im Klartext, dass dir Kind 1 um 5.30 Uhr die Augenlider aufzieht und verkündet, nicht mehr müde zu sein, während dir Kind 2 das Schlafshirt hochzieht, um wild auf deinem Bauch herum zu klatschen.

Kennen Sie die Szenen im Film, wenn die Figur in ihre Wohnung zurückkehrt und feststellt, dass diese von Verbrechern durchsucht worden ist? Die Kinder übernehmen das, noch bevor der erste Kaffee durch ist. Es kommen allerhand verschollener Gegenstände zum Vorschein und unter der Couch wird auch wieder einmal durchgewischt. Doch der Osterhase war noch nicht da.

Wie denn auch. Vor dem ersten Kaffee macht der schließlich nichts. Gewerkschaft und so. Weil das Wetter ein Traum ist, soll der seine Nester draußen im Garten verstecken. Doch Zwergnase ahnt was und es ist gar nicht so leicht, aus der Tür zu schlüpfen.

“Mama, wo gehst du …

S'Gscheidhaferl

Das Ziel der Kindererziehung besteht darin, den Sprössling so fit für die Welt zu machen, dass er ohne Mami und Papi überleben kann. Goldlöckchen wird demnächst ausziehen. Nach nur guten eineinhalb Jahren haben wir das Ziel erreicht. Sie kann den Haushalt führen und sich selbst versorgen. Sie verfügt über eine ausgesprochen gute Problemlösungskompetenz, die an Einfachheit und Effizienz nicht zu übertreffen ist. 
Schon morgens sucht sie sich fachmännisch die Kleidung für den Tag aus, dabei kennt Goldlöckchen keine Kompromisse. Danach kümmert sie sich um ihre alten und gebrechlichen Eltern, denen sie die Socken nachträgt, bis Mama und Papa ordnungsgemäß gekleidet sind. Als dann stellt sie die Hocker für sich und den Bruder ans Waschbecken und schiebt eben diesen ins Bad zum Zähneputzen. Wahlweise zieht sie ihn auch an der Hand. Sie legt ihren Schnuller ab und schiebt sich die Ärmel zurück. Sie weiß, wie der Hase läuft und quietscht energisch, wenn man sich ihr in den Weg stellt. Widerr…