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Das Muttertagsessen

Wenn unsere Familie für den Muttertag plant, geht das meistens schief. So saßen wir beispielsweise bei 15 °C, Nieselregen und eisigem Ostwind mutterseelenallein in einem Biergarten, weil es bestimmt noch aufreißt. Ein anderes Mal wollten wir zuhause grillen, denn am Muttertag ins Restaurant zu gehen, ist ja blanker Irrsinn, selbst wenn man nicht unter aufgespanntem Regenschirm im Biergarten sitzt. Saßen wir eben bei aufgespanntem Schirm auf der Terrasse. Dieses Mal war es nämlich nicht kalt, sondern schwülwarm. Es kam, wie es kommen musste. Pünktlich zum Essen ein Donnerschlag, ein Wolkenbruch und Wind von der Seite. Dazu ein Temperatursturz von gefühlten 20 °C.  1. Akt: Restaurantbesuch am Muttertag Nach unseren ganzen Pleiten, Pech und Pannen haben wir uns angewöhnt, eine Woche vor oder nach dem Muttertag zum Essen zu gehen. Doch da die Wettervorhersage auf keine Ostwinde, Temperaturstürze oder Regengüsse hinwies, wollten wir dieses Jahr unser Glück wieder einmal versuchen. Normale…
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Das neumoderne Glump

Als ich mein erstes Handy haben wollte, erklärten mir meine Eltern, dass mein Vater meine Mutter noch von der Telefonzelle aus anrufen hätte müssen und sie sich auch verabreden hätten können. Der eingeschnappte Gymnasiast antwortete mit einem Unfug wie "Das einzig Beständige ist die Veränderung!" und knallte mit den Türen. "Wir haben das nicht gehabt und ging trotzdem!", wusste auch die Oma. Ein Standardsatz, der einen regelmäßig mit den Augen rollen ließ. Heute weiß ich, dass ich meinen Kindern unter Begleitung eindrucksvoller lautlicher Imitation erklären werde, wie man sich einst mit einem Modem ins Internet einwählen musste. Denn auf einmal war er da, der Gedanke, dass man dieses neumoderne Glump nicht braucht und das Altbewährte genauso gut, wenn nicht sogar besser gewesen sei. 
Andächtig standen wir nämlich in der Vorführküche des Möbelhauses und ließen uns blenden, wie schnell der ultramoderne Induktionsherd mit Touch-Bedienfeld einen Topf mit Wasser aufkoch…

Das Einschlafritual

Die Erziehungsratgeber sind sich einig. Kinder brauchen einen festen Rahmen, in dem sie sich wohlfühlen, der ihnen Sicherheit und Geborgenheit schenkt. Es geht nichts über Rituale. Nun macht man gerne den Fehler, dass man sich als Eltern ein Einschlafritual zurechtlegt, ohne das Kind in die Überlegung miteinzubeziehen. Dieses hält in aller Regel vom Bilderbuchritual, bestehend aus einem Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn und anschließendem seligen Augenschließen, allein im eigenen Bett, nichts. Also so gar nichts. Unsere Einschlafroutine möchte ich im Folgenden schildern. Realitätsnah und erprobt, ohne irgendwelche klugen Ratgeber. Ich schicke voraus, dass es sich um ein sehr brauchbares Ritual handelt. Am Ende schläft das Kind nämlich immer. 
Das Ritual beginnt mit Apfelbäckchens Positionierung auf der Wickelkommode. Vor der Nacht gibt es selbstverständlich eine frische Windel. Zumindest ist das das Ziel. Denn kaum berührt der Rücken die Auflage, ist dies das Zeichen für Apfelbäckchen, di…

Die Abenteuer der Beikost

Bei Zwergnase las ich einmal in einem Ratgeber, dass man sich für die Einführung der Beikost Zeit nehmen solle. Damit war nicht das Alter des Kindes gemeint, sondern der Moment des ersten Breis. Man solle sowohl das Kind als sich selbst kleckersicher anziehen. Für Zwergnase hatte ich Ganzkörperätzchen aus Plastik besorgt, die nun ihren zweiten großen Einsatz haben sollten. Bei Zwergnase haben wir sie ohnehin kaum verwendet. Warum war das noch gleich? Man vergisst ja so schnell!
Das Plastiklätzchen findet Apfelbäckchen ziemlich spannend. Wie das raschelt! Halt, Mama! Ich will auch mal! Sie zupft und rupft, was das Zeug hält und schaut mich gar nicht an, weil das Plastikgeraschel so interessant ist. Am Ende hat sie es so weit runtergezogen, dass sie ihre Arme nicht mehr frei bewegen kann und beginnt zu schimpfen. Lätzchen aus, Ärmelchen zurück. Einsatz von normalen Lätzchen und Geschirrtuch. Die Erinnerung kommt wieder. "Naaaa, ein Löffelchen für Maaaamaaaa...!" Nein, der Löff…

Knast

Es sind Tage wie diese. Tage an denen dir das Baby direkt vor die Füße kotzt. Genau genommen kotzt es je nach Haltung auf die Füße, auf den Rücken, in den Ausschnitt, und wenn es nicht dich trifft, dann zwischen irgendwelche Ritzen und Fugen oder in andere schwer erreichbare Stellen. Es sind Tage wie diese, an denen du morgens schon weißt, dass du den Geruch von Babykotze den ganzen Tag nicht aus der Nase kriegst, egal wie oft du dich selbst und das Kind säuberst und umziehst. Und du wirst es oft tun.
In dieser Zeit hängt dir der Große mit Sicherheit auch quengelnd am Rockzipfel. Weil du den Apfel falsch aufgeschnitten (mein toller Apfelentkerner ist leider noch nicht da), du das Brot falsch bestrichen und du das ultimative Lieblings-Dino-T-Shirt noch nicht gewaschen hast.
An Tagen wie diesen wünscht du dich an einen Strand in der Karibik mit einem Cocktail in der Hand und deine einzige Sorge ist, was das nächste Buffet zu bieten hat. Lange hält die Vision nicht an, da schalmeit es sc…

100 Euro als Strafe Gottes

Die folgende Geschichte ist zu 100 Prozent ein Erste-Welt-Problem und so manch einer wird sich bestimmt denken, dass er diese Probleme auch gerne hätte. Dessen bin ich mir vollkommen bewusst und gerade deshalb entbehrt es nicht einer gewissen Situationskomik - außer für Schwaben. Schwaben werden mich sicherlich verstehen. Was ich damit sagen will: Auch diese Geschichte sollte mit Humor gelesen werden. Wer den nicht aufbringt, versucht es einfach später noch einmal. 
Nun geschah es zu jener Zeit, dass wir sehr viele Tage im Möbelhaus zubrachten, um unser neues Zuhause einzurichten. Man kaufte dieses und jenes, und das da wäre ja auch noch praktisch. So kam es, dass die Freundschaftskarte glühte, das Auto ächzte und das Konto stöhnte. Doch nach einer Weile war es vollbracht. Wir waren wunschlos glücklich. Alles stand und hing an seinem Fleck, die Deko verteilte sich alsbald gleichmäßig über die Räume und wir sahen, dass es gut war. 
Und so las ich den maschinell erstellten und ohne Unter…

Final Destination

Es war wirklich eine gute Idee, dass wir den Caravan meines Mannes genommen haben. Während ich mit Zwergnase durch die Fahrradhalle schlendere, spielt Opa Osterhase und verstaut das grüne Fahrrad im großen Kofferraum. Ein guter Tag. Das Einkaufen ging schneller als gedacht, das Kind hat mitgemacht und die Bedienung war auch klasse. Der Osterhase kann das Fahrrad am Sonntag bestimmt vorbeibringen, sagte der Verkäufer, weil der ja sooo groß mit Ohren sei. Er streckte die Arme in die Luft. Der könne das Fahrrad schon in seinem Korb schleppen.
"Oje! Schaut mal!", ruft Zwergnase bei der Ampel am Globus. "Da ist ja ein Auto gegen den Baum gefahren!" Ein kleines weißes Auto liegt im Graben, ein weiteres Auto steht oben am Rand. Zwei Mädchen telefonieren aufgelöst. Sie tun mir leid. Als mir Papas neues Auto mit 18 Jahren Feuer fing, machte ich mir nur Sorgen um das Auto. Ob es den beiden ähnlich geht? Wir spekulieren, wie es zu dem Unfall gekommen ist, während wir an der A…